Frankfurt/M.: Zalando schreibt rote Zahlen trotz enormen Wachstums

Frankfurt/M. : Zalando schreibt rote Zahlen trotz enormen Wachstums

Der Online-Händler verbucht 120 Millionen Euro Verlust. Ob das Unternehmen damit den Schritt an die Börse wagt, ist fraglich.

"Schrei vor Glück!" Dieser Aufforderung aus der eigenen Fernsehwerbung kann der Online-Händler Zalando zurzeit nicht folgen. Zalando wächst zwar immer noch stark — im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro — aber unter dem Strich bleiben die Verluste. Die waren im vergangenen Jahr höher als erwartet: Mit 120 Millionen Euro lagen sie sogar um 30 Millionen über denen des Jahres 2012. Schuld seien sowohl der milde Winter als auch der späte Sommer gewesen, teilte das Online-Modehaus gestern mit. Dadurch blieb viel Ware in den Lagern, die jetzt noch mit Rabatten an die Kunden gebracht werden soll.

Operativ sei das Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwar in der Gewinnzone, sagte Zalando-Geschäftsführer Rubin Ritter. Aber wegen hoher Kosten und der Rabatte gilt das noch nicht für das Nettoergebnis. Zalando hat im vergangenen Jahr etwa die Logistik-Kapazität verdoppelt. In Mönchengladbach erweitert das Unternehmen zurzeit sein Zentrum für E-Commerce, also elektronischen Handel. Im September soll der Ausbau beendet sein, dann soll der Logistikpark der größte Standort sein — noch größer als der in Erfurt.

Für Zalando aber sind die roten Zahlen ärgerlich. Denn dessen Gründer, die Samwer-Brüder Oliver, Marc und Alexander, möchten das Unternehmen fünf Jahre nach der Gründung an die Börse bringen. Gestern wiegelte Geschäftsführer Ritter zwar ab und sagte, ein Börsengang könne ein guter Schritt sein. Aber es gebe noch keine Entscheidung. Die Zurückhaltung könnte an den Verlusten liegen. In Deutschland gebe es im Vergleich zu den USA wenige Wachstumsunternehmen, die an die Börse gegangen seien trotz Verlusten, meint Stefan Wimmer, Analyst des Bankhauses Metzler: "In Deutschland wird eher auf Profitabilität geachtet", meint er. Ein "K.o.-Kriterium für einen Börsengang" sei das aber nicht.

Angeblich, so hatte das "manager magazin" vor einigen Tagen berichtet, führten die Samwer-Brüder schon Gespräche mit Banken, die sie bei einer Neuemission begleiten könnten. Und angeblich seien die amerikanischen Banken Goldman Sachs, Morgan Stanley und auch J.P. Morgan die aussichtsreichsten Institute. Sie hatten sowohl Facebook als auch Twitter an die Börse begleitet. Der Vergleich mit beiden sei nicht ganz passend, meint Wimmer, der dazu eher den amerikanischen Online-Händler Amazon heranzieht: "Amazon ist zwar im Hinblick auf den Gewinn sehr hoch bewertet, aber solange es beim Umsatz deutlich wächst, wird das von Investoren in Kauf genommen", meint der Analyst. Zalando könnte mit 5,4 Milliarden Dollar, also etwa 3,8 Millionen Euro, bewertet werden. Größter Anteilseigner ist mit 36,5 Prozent die schwedische Beteiligungsfirma Kinneyik. Ob ein Börsengang noch vor dem Sommer erfolgen könnte, ist jedoch zweifelhaft, dazu könnte es nicht nur zeitlich eng werden. Die Samwer-Brüder werden vermeiden wollen, dass eine Zalando-Aktie kurz nach Börsengang abrutscht.

(RP)
Mehr von RP ONLINE