1. Wirtschaft

Wo Rheinmetall expandieren will.

Volles Auftragsbuch bei Düsseldorfer Rüstungskonzern : Panzer als Verkaufsschlager

Der Düsseldorfer Konzern setzt auf höhere Verteidigungsausgaben. Im Zivilgeschäft steigt er auf Wasserstoff um. Neue Leute werden trotz internem Umbau gesucht.

Eines der Grundprobleme der weltweiten Rüstungsbranche ist, dass Projekte wegen zu vieler Vorgaben immer komplizierter werden und dann ganz oder teilweise scheitern. Dieser Logik folgend, verlief auch die Bilanzpressekonferenz von Rheinmetall recht ungewöhnlich: Der Düsseldorfer Konzern hatte eine deutlich anspruchsvollere Videokonferenzanlage als viele andere Unternehmen bei ihren Pressekonferenzen installiert. Vor einem Podest stand Vorstandschef Armin Papperger in weißem Hemd ohne Schlips, aber immer wieder musste er fast schon minutenlang warten, bis der nächste Fragesteller dazugeschaltet war und auch zu hören und zu sehen war.

Durchwachsen war nicht nur der Videodialog, sondern auch die präsentierte Bilanz: Weil die Autozulieferer-Sparte nur schwach läuft, brach der Gewinn von 354 Millionen Euro auf nur noch eine Million Euro ein. Vorrangig hohe Abschreibungen auf Investitionen seien die Ursache der schwachen Zahlen, erklärte Papperger. Die Dividende wird um 40 Cent auf zwei Euro gekürzt. Der Umsatz ist jedoch nur um sechs Prozent auf 5,9 Milliarden Euro gesunken, der Cash-Flow lag bei mehr als 200 Millionen Euro und sei darum „bärenstark“, so Papperger. Der größte Pluspunkt sei aber der bei 13,4 Milliarden Euro liegende Auftragsbestand. Etwa 500 Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Und obwohl die Zwischenholding des Automobilgeschäfts aufgelöst wird, rechnet Papperger nur mit dem Abbau von maximal 35 Stellen in diesem Zusammenhang. „Wir sind eigentlich immer auf der Suche nach qualifizierten Leuten“, betonte er. 

Eine stärkere Fokussierung soll Rheinmetall nun wieder in den Angriffsmodus bringen. Der Anteil des klassischen Zuliefergeschäfts für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor soll von aktuell 28 Prozent des Umsatzes bis 2025 auf nur noch 15 bis 20 Prozent des Geschäfts sinken. Innovative Technologien, insbesondere rund um die Brennstoffzelle, sollen von aktuell neun Prozent auf einen Anteil von bis zu 15 Prozent wachsen. Das Rüstungsgeschäft soll künftig 70 Prozent des Umsatzes ausmachen. Das wären 5,5 Milliarden Euro statt 3,7 Milliarden Euro.

Gerade bei Panzern und Militärlastwagen rechnet der Vorstand mit hohem Wachstum. Erst 2020 habe sich der Konzern einen Auftrag in der Größenordnung von 3,1 Milliarden Euro aus Ungarn gesichert. 218 Schützenpanzer sollen geliefert werden. Jetzt rechnet Papperger mit einem Auftrag in Höhe von 750 Millionen Euro aus Großbritannien. Gemeinsam mit Partnern erhofft er sich gewaltige Geschäfte in den USA: „Wir sehen in den nächsten zehn Jahren ein Auftragspotenzial, das zwischen 30 und 60 Milliarden Euro groß ist.“ Ein Haupttreiber seien wachsende Verteidigungsausgaben in vielen westlich orientierten Industriestaaten inklusive Osteuropa, nachdem China und Russland seit 2009 ihre Rüstungsbudgets alle zwölf Monate um zehn Prozent gesteigert hätten. Außerdem rechnen die Düsseldorfer bei jedem Panzer­verkauf mit doppelt so hohen Folgeumsätzen für Ersatzteile, Munition und Wartung.

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Als Zukunftsbereiche im zivilen Bereich setzt das Management einerseits auf das Geschäft mit Sensoren und Antrieben, anderseits auf Komponenten zum Umstieg auf die Wasserstoffwirtschaft. Dort könnte viel Technikwissen genutzt werden, das das Unternehmen bisher als Zulieferer für Verbrennungsmotoren aufgebaut habe, so Papperger.

Die Ziele sind ehrgeizig: Dieses Jahr sollen mindestens acht Prozent operative Rendite hereinkommen, 2020 waren es noch 7,3 Prozent. Kein Bereich soll im Unternehmen bleiben, der nicht eine Mindestrendite von zehn Prozent im Jahr 2025 verspricht. Um auf diesem Weg voranzukommen, soll nun erst einmal das traditionsreiche Kolbengeschäft verkauft werden. Die zu Automotive gehörende Sparte „Hardparts“ war 2020 ins Minus gerutscht.

Es gebe mehr als 100 Interessenten für das Kolbengeschäft, sagte Papperger. Deren Liste soll nun auf 25 mögliche Käufer reduziert werden. Bis Anfang des dritten Quartals hofft Papperger dann, den Käufer verkünden zu können.