Wer soll EZB-Präsident werden?

Kolumne: Die Ökonomin : Wer soll EZB-Präsident werden?

Für viele Deutsche ist Mario Draghi ein rotes Tuch. Zu unrecht. Wenn der Bundesbank-Präsident ihn beerbt, muss auch er Kompromisse schließen.

Für viele Deutsche ist Mario Draghi der böse Bube der Geldpolitik: Sie sehen im Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) den Mann, der sie um ihre Sparzinsen bringt, ihre Lebensversicherungen aushungert und für die Explosion der Mieten und Immobilienpreise verantwortlich ist. Und hat der Italiener nicht alles nur getan, um seinem Heimatland zu helfen?

Nein. Auf dem Höhepunkt der Eurokrise hat Draghi mit seinem beherzten Eintreten (die EZB werde den Euro retten, was es auch koste - „whatever it takes“) das Feuer ausgetreten, das die Politik angezündet hatte und zu löschen nicht in der Lage war. Von Verschwörungstheorien über italienische Seilschaften sollte man also Abstand nehmen. Gleichwohl: Im Oktober läuft Draghis Amtszeit aus und die spannende Frage ist, wer ihn beerbt.

Die Bundesbank arbeitet unermüdlich daran, ihren Chef Jens Weidmann im Gespräch zu halten. Doch ob er sich durchsetzt, ist so offen wie die Frage, was das deutschen Sparern bringt. Der Posten ist Teil eines großen Personalpakets. Wenn etwa Manfred Weber Chef der EU-Kommission werden sollte, wird Deutschland keinen zweiten Topjob in Europa bekommen. Unabhängig davon gelten drei nationale Notenbank-Chefs als aussichtsreiche EZB-Kandidaten: der Franzose Francois Villeroy de Galhau, der Finne Olli Rehn und eben Weidmann. Der Wahlkampf läuft: Weidmann betont immer wieder, kein Land dürfe grundsätzlich ausgeschlossen sein. Rehn geht in die Offensive: „Deutschland kann geschlagen werden", sagte er unlängst.

Die Bundesbank mag es nicht wahrhaben, aber am Ende ist es egal, wer von den dreien das Rennen macht: Fachlich ist einer so gut wie der andere, und jeder stände vor derselben Aufgabe: aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen, ohne den stotternden Konjunkurmotor abzuwürgen, und die Politik zu drängen, die Italien-Krise politisch zu lösen. Mehr noch: Es würde den Deutschen nicht mal nutzen, wenn Weidmann das Rennen macht. Er müsste wie jeder EZB-Chef 19 Länder intergrieren und könnte nicht länger mächtiger Mahner sein. Um von den Südländern akzeptiert zu werden, müsste er im Zweifel weicher statt härter als Draghi sein.

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