Vorbild Frankreich für Bus und Bahn

Kolumne Die Ökonomin : Vorbild Frankreich für Bus und Bahn

Bei der Infrastruktur sind die Franzosen uns weit voraus. Freies Internet, schnelle Züge und selbstfahrende Metro – die Deutsche Bahn könnte sich einiges abschauen.

Gerne erhebt man sich in Deutschland über Frankreich: Der Nachbar sei reformunwillig, habe hohe Arbeitslosigkeit und ein Gelbwesten-Problem. Nicht mal Notre-Dame könne renoviert werden, ohne dass die Kathedrale in Brand gerät. Diese Hochnäsigkeit können sich die Deutschen sparen. Beim Thema Infrastruktur sind die Franzosen uns weit voraus, wie ein Besuch im Nachbarland zeigt.

Die Hochgeschwindigkeitszüge dort haben ihren Namen verdient. Mit dem Thalys kommt man fast schneller von Aachen nach Paris als aktuell mit der Deutschen Bahn von Bonn bis Düsseldorf. Während die ICE von Baustellen und politisch motivierten Haltepunkten ausgebremst werden, flitzt der elegante rote Zug schon lange ungehindert durch Frankreich – und das mit bis zu 300 Stundenkilometern. Da ließe sich die Strecke Hamburg-München in weniger als vier Stunden schaffen.

Selbstredend bietet der Thalys schon seit zehn Jahren Internet an Bord. W-Lan gehört in Frankreich zur Infrastruktur einfach dazu. Auch die Pariser Metro hat überall in Bahnen und Bahnhöfen freien Online-Zugang eingerichtet. Das schafft die Deutsche Bahn nicht mal im Fernverkehr. Und selbst wenn man in Deutschland zahlt, gibt es oft nur den Standard Edge oder gar keine Verbindung.

Überhaupt die Metro: Während sich der deutsche Pendler oft über Verspätungen infolge von Zugführermangel ärgern muss, hat in Paris die Zukunft des Nahverkehrs schon begonnen: Die ersten Bahnen fahren bereits fahrerlos – sanft und pünktlich. Ein aufgeklebtes Amaturenbrett im ersten Wagen erlaubt dem Fahrgast die kleine Illusion, er steuere gar selbst den Wagen. Ein Amuse-Gueule auf eine Welt, in der auch Lokführerstreiks dem Gast nichts mehr anhaben können.

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