Haus des Geldes: Wie viel Geldtheorie steckt in der Netflix-Serie?

Kolumne Kolumne Der Ökonom: Haus des Geldes

Der Professor, die Hauptfigur der Netflix-Serie „Haus des Geldes“, will seine Kumpane durch einen Überfall reicher machen, ohne andere zu schädigen. Geht das?

Es ist zwar nur Fiktion, aber durchaus realistisch. Eine Gruppe spanischer Krimineller unternimmt in der Netflix-Serie „Haus des Geldes“ den angeblich größten Bankraub der Geschichte. Über zwei Milliarden Euro wollen die Räuber erbeuten.

Wer die Serie noch sehen will, soll jetzt aufhören zu lesen. Für die Kenner sei aber gesagt, dass die Gruppe, und vor allem ihr Kopf, der Professor mit dem Filmnamen Sergio Marquina, in die Feinheiten der Geldtheorie eindringt. Denn die Gruppe überfällt nicht irgendeine Bank, sondern die staatliche Gelddruckerei. Deshalb der Titel „Haus des Geldes“ oder auf spanisch „Casa de Papel“. Die Bande nimmt die Beschäftigten der Notenpresse als Geiseln, um während der Zeit der Geiselnahme die Geldbeute praktisch selbst zu drucken.

Als Gehirn und Chefideologe hält der Professor die geniale Idee für seine Gruppe bereit (auch um deren Gewissen zu beruhigen), dass mit dem gedruckten Geld niemand geschädigt wird. Er vergleicht sogar seine Aktion mit der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB), die ja ungleich mehr, ungefähr das Tausendfache in den europäischen Geldkreislauf pumpt. Auch eine Parallele zu Kryptowährungen wie Bitcoin ließe sich ziehen.

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Marquina hat nicht unrecht. Denn im Prinzip stellt die Gruppe mit ihrer Tat die Geldversorgung der Wirtschaft sicher, solange der zusätzliche Betrag nicht inflationär wirkt. Allerdings stimmt nicht, dass die anderen davon unberührt bleiben. Denn sie stellen für das Geld einen Teil der produzierten Güter bereit. Seignorage nennen das die Ökonomen. Gesetzlich soll der Gewinn aus Geldschöpfung dem Staat, also der Gemeinschaft zugute kommen. Dass nur die Bande die Früchte erhält, ist neben der Geiselnahme das wahre Verbrechen. Es ist wie Steuerhinterziehung.

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