Ein staatlich geförderter Cloudanbieter wird in den schnelllebigen IT-Märkten scheitern.

Kolumne Der Ökonom : Über den Wolken

Wirtschaftsminister Peter Altmaier will einen europäischen Cloudanbieter installieren. Das klingt wie eine Neuauflage des gescheiterten Überschallflugzeugs Concorde.

Inzwischen hat es sich bis ins Bundeswirtschaftsministerium herumgesprochen, dass die Europäer drauf und dran sind, den Wettlauf in der Informationstechnologie gegen die USA und China zu verlieren. Doch Peter Altmaier, dem Chef des Ressorts, einem liebenswürdigen und intelligenten Mann, fällt nichts anderes ein, als mit staatlichen Mitteln einen europäischen IT-Champion aus dem Nichts zu erschaffen.

Waren es früher die Speicherchips, ist es jetzt die Cloud (die Wolke), das frei verfügbare Rechenzentrum im Netz, das die Fantasie der Industriepolitiker beflügelt. Der US-Softwareriese Microsoft hat auf dieses zukunftsfähige Geschäftsfeld gesetzt und ist jetzt wieder der wertvollste Konzern der Welt – ein schier unglaubliches Comeback.

Doch daraus den Schluss zu ziehen, ein europäischer Anbieter, gepäppelt mit staatlichen Milliarden, könnte zu einem ähnlichen Höhenflug ansetzen, ist naiv. Die deutschen und europäischen Behörden besitzen weder die Marktexpertise von Microsoft noch die kohärenten Planungsinstrumente der chinesischen Technologieförderung. Überdies passt das nicht zur sozialen Marktwirtschaft.

Das französisch-britische Staatsprojekt des Überschallflugzeugs Concorde verschlang Milliarden, ohne das die Maschine jemals richtig marktfähig wurde. Und beim erfolgreicheren Projekt Airbus besaßen die Partner zumindest Expertise im militärischen Bereich und konnten deshalb den Flugzeugbau gegenüber dem US-Anbieter Boeing einigermaßen profitabel gestalten. Europa muss eher die Universitäten als Partner für eine neue IT-Initiative gewinnen und ein günstiges Klima für Start-ups schaffen. Dann könnte vielleicht noch einmal ein Konzern wie SAP entstehen. Ein staatliches Projekt kann das nicht leisten.

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