Kolumne: Die Ökonomin: Warum akzeptieren Sparer Strafzinsen?

Kolumne: Die Ökonomin : Warum akzeptieren Sparer Strafzinsen?

Immer mehr Noten- und Geschäftsbanken nehmen Strafzinsen. Nach der Schweiz versucht sich auch Dänemark, gegen die euro-scheuen Investoren zu wehren.

Das ist verrückt. Aktien, Anleihen, Immobilien - es gibt es zig Möglichkeiten, Geld anzulegen. Und trotzdem investieren viele in deutsche Staatsanleihen, die nur 0,4 Prozent Zinsen bieten, legen bei Geldhäusern wie der Skat- oder WGZ-Bank an, die für große Guthaben Strafzinsen verlangen, oder gehen in Länder, in denen Negativzinsen hoch sind. In der Schweiz etwa sind für zweijährige Anleihen 0,8 Prozent Strafe fällig. Von 100.000 Franken, die ein Anleger dort investiert, sieht er nach zwei Jahren nur 99.200 wieder. Eine Anlage mit garantiertem Verlust - warum setzt ein rationaler Sparer darauf?

Die Wirtschaftszeitung "The Economist" sagt es so: Investoren sind bereit, auf ein wenig Geld zu verzichten, um sicherzugehen, dass sie nicht viel Geld verlieren. Sicherheit hat ihren Preis - und der besteht derzeit für Anleger von großen Summen in einem Negativzins als Gebühr für die sichere Aufbewahrung ihres Geldes. Entsprechend sollte sich umgekehrt jeder Anleger, den hochverzinste Mittelstandsanleihen oder Fremdwährungen locken, klar machen, dass diese mit viel höheren Risiken verbunden sind als Bundesschatzbriefe.

Risikoscheuen Anlegern macht die neue Unsicherheit in der Euro-Zone Sorge. Daher steuern sie die als sichere Häfen geltende Länder wie Deutschland oder die Schweiz an. Selbst das kleine Dänemark rückt plötzlich in den Fokus. Die Dänen haben sich im Jahr 2000 gegen die Einführung des Euro ausgesprochen, entsprechend attraktiv wird ihre Krone nun für euro-scheue Investoren. Das passt den Dänen gar nicht. Eigentlich haben sie ihre Krone mit Bandbreiten fest an den Euro gebunden, weil eine Aufwertung ihrer Exportwirtschaft schaden würde. Um den Ansturm der unerwünschten Anleger abzuwehren, hat die dänische Zentralbank in dieser Woche ihren Strafzins erneut angehoben auf nun 0,75 Prozent. Ihr Kalkül: Selbst risikoscheue Anleger sind nicht bereit, jeden Preis für Sicherheit zu zahlen.

Fragen? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)
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