Kolumne: Die Ökonomin: Subventionen für Sparkassen-Kunden?

Kolumne: Die Ökonomin : Subventionen für Sparkassen-Kunden?

Viele Sparkassen fordern staatliche Hilfe, damit den Kunden das Sparen nicht vergeht. Ist das die richtige Antwort auf die Minizinsen der Europäischen Zentralbank?

Die Minizinsen sind ein großes Ärgernis für alle Sparer. Für Tagesgeld gibt es meist nur ein Prozent, auf klassischen Sparbüchern noch weniger. Und wer richtig viel anzulegen hat, muss sogar Strafzinsen zahlen. An der Misere wird sich so schnell nichts ändern. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit dem Ankauf von Staatsanleihen gerade erst begonnen, mit dem sie neues Geld in den Markt presst. Bis mindestens September 2016 soll der Billionen-Spaß noch dauern.

Daher sind die Sparkassen nun auf eine schlaue Idee gekommen. Sie fordern den Staat auf, das Sparen stärker zu fördern und so einen Ausgleich für die Minizinsen zu schaffen. Die Hamburger Sparkasse etwa fordert eine staatliche Förderung, wenn Eltern für die Ausbildung von Kindern vorsorgen. Das wäre gut für das Bildungsniveau und ein Lastenausgleich für die niedrigen Zinsen. Sparkassen in Baden-Württemberg fordern eine allgemeine Prämie von fünf Prozent, die der Staat allen Bürgern nach sieben Jahren eifrigen Sparens zahlen soll.

Kluger Vorschlag? Leider nein. Es gibt gute Gründe, das Gelddrucken der EZB zu kritisieren. Doch am Ende ist sie für den Euro verantwortlich. Sie pumpt Geld in die Märkte, damit die Verbraucher es ausgeben - und nicht, damit sie es sparen. So will die EZB Konjunktur und Preise anheizen. Diese Maßnahme wird der deutsche Staat kaum mit einer Sparprämie konterkarrieren wollen.

Zumal es diese Prämie ja nicht umsonst gäbe. Wie für jede Subvention müssten auch für diese die Steuerzahler aufkommen. Unterm Strich wäre das im besten Fall ein Nullsummen-Spiel für die Verbraucher. Aber in jedem Fall ein gutes Geschäft für die Sparkassen. Das sieht auch die Bundesbank so. Sie kritisiert, dass manche Sparkasse ihr Geschäftsmodell allein auf steigende Zinsen aufbaut. Wie für jede Firma gilt auch für Sparkassen: Wer sich verkalkuliert, muss dafür gerade stehen. Der Staat ist kein Notarzt für schwindsüchtige Patienten.

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(RP)
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