Kolumne: Die Ökonomin: Muss man Gehälter von Managern begrenzen?

Kolumne: Die Ökonomin : Muss man Gehälter von Managern begrenzen?

Die SPD will die Bezüge der Topverdiener deckeln. Das ist steuersystematisch falsch. Und das Verfahren ist überflüssig.

Die SPD macht ernst: Angesichts der Gehaltsexzesse bei Volkswagen will sie die Manager-Vergütung zügeln. Künftig soll die Hauptversammlung ein Maximalverhältnis zwischen dem Gehalt des Topmanagers und dem Durchschnittsgehalt im Konzern festlegen. Dann wäre den VW-Aktionären 2014 womöglich aufgefallen, dass die Arbeit eines Winterkorn nicht 141 Mal so wertvoll ist wie die eines durchschnittlichen VW-Mitarbeiters. Der VW-Chef bekam aber so viel. Als zweiter Zügel soll das Steuerrecht dienen: Danach sollen Aktiengesellschaften nur noch 500.000 Euro pro Jahr und Manager von der Steuer absetzen dürfen. Hohe Zahlungen sollen doppelt wehtun.

Der Beifall ist so groß wie der Vorschlag falsch. Erstens führt die 500.000-Euro-Regel dazu, dass Gehälter doppelt besteuert werden - bei Konzern und Manager. Das verbietet sich steuersystematisch.

Zweitens ist das Verfahren bürokratisch und überflüssig. Schon jetzt legen die Eigentümer, die die Hälfte der Aufsichtsräte bestimmen, das Vergütungssystem fest. Was soll eine zweite Befassung durch die Hauptversammlung, auf der meist Bockwürste eine größere Rolle spielen als Sachverstand? Und wenn man den Aufsichtsräten nicht zutraut, über Vergütung zu entscheiden, weil man die Kontrolleure für Kartellbrüder hält, wäre es besser, das Aktienrecht zu ändern und die Zahl der Mandate zu begrenzen. Und: Bei Volkswagen hätte es die SPD Niedersachsen im Aufsichtsrat in der Hand gehabt, die Exzesse zu verhindern. Hat sie aber nicht. Dafür sollen nun alle Unternehmen leiden.

Drittens: Deutschland hat drängendere Probleme als Managergehälter. Die Bayer-Mitarbeiter ärgert nicht, dass ihr Chef 5,6 Millionen Euro verdient. Sie ärgert, dass sie jeden Tag auf der maroden A1-Brücke im Stau stehen und das Inklusions-Chaos ihre Kinder am Lernen hindert. Die Regulierung der Manager-Gehälter ist eine Konfetti-Bombe.

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(RP)
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