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Die Ökonomin: Können denn Exporte Sünde sein?

Die Ökonomin : Können denn Exporte Sünde sein?

Deutsche Exportüberschüsse sind schuld an der Euro-Krise, sagen Kritiker wie Wagenknecht. Das stimmt nicht. Eine Deckelung der Exporte hieße Produktionsverbot.

Eigentlich trennen Christine Lagarde und Sahra Wagenknecht Welten. Doch in einer Frage marschiert die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Seit an Seit mit der deutschen Kommunistin: Exportüberschüsse, wie Deutschland sie erzielt, treiben andere Staaten in hohe Schulden und gehören deshalb nach Ansicht der beiden Damen staatlich gedeckelt.

Richtig daran ist, dass die Leistungs- und die Kapitalbilanz zwei Seiten einer Medaille sind. Die Leistungsbilanz erfasst den Austausch von Waren und Dienstleistungen mit dem Ausland. Die Kapitalbilanz erfasst die Kapitalflüsse, die mit diesem Handel verbunden sind. Damit bedeutet ein Plus in der Leistungsbilanz (Exportüberschuss) automatisch ein Defizit in der Kapitalbilanz. Wenn also die Produktion in Deutschland größer ist als die hiesige Nachfrage, verkaufen die deutschen Betriebe einen Teil ihrer Produkte im Ausland. Einen entsprechend großen Teil des Volkseinkommens sparen die deutschen Einwohner. Diese Ersparnisse wandern als Kredite an Länder wie Griechenland, in denen die Güternachfrage höher ist als die Produktion. Aus dieser Identität machen die Kritiker Deutschlands nun eine Kausalität. Danach leben die Deutschen auf Kosten der Griechen, weil sie zu wenig Waren selbst konsumieren und diese stattdessen den Griechen gegen Kredite aufzwingen. "Export-Extremismus" nennt Sahra Wagenknecht das. Wie falsch!

Zum einen werden andere Länder nicht gezwungen, deutsche Waren zu kaufen, sondern tun es, weil sie diese schätzen. Exportüberschüsse sind schlicht Ausweis einer leistungsfähigen Wirtschaft. Eine politische Deckelung der Überschüsse käme einem Produktionsverbot für deutsche Betriebe gleich. Zum anderen kann man auch die Deutschen nicht zwingen, mehr von ihren Waren zu konsumieren und weniger zu sparen. Nicht Deutschland klein machen, sondern Südeuropa groß (also wettbewerbsfähiger) machen, heißt die Lösung. Mindestens Christine Lagarde sollte das eigentlich wissen.

Ihre Sicht? Schreiben Sie der Autorin unter: kolumne@rheinische-post.de

(RP)