Kolumne: Die Ökonomin: Hat Deutschland eine Investitionslücke?

Kolumne: Die Ökonomin : Hat Deutschland eine Investitionslücke?

Das DIW hat eine gewaltige Investitionslücke ausgemacht. Der Bundeswirtschaftsminister hat eine Expertenkommission eingesetzt. Achtung, Subventionsritter im Anmarsch!

Im Vergleich zu anderen Ländern geht es der deutschen Wirtschaft gut. Aber die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Zwar konsumieren die Verbraucher kräftig. Doch es wird zu wenig investiert, lautet eine gängige Klage. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) will eine Investitionslücke zwischen 80 und 100 Milliarden Euro pro Jahr ausgemacht haben. Das wäre schlecht: Zum einen heißt zu wenig Investitionen zu geringe Nachfrage nach Investitions-Gütern, was Nachfrage und Wachstum bremst. Zum anderen heißt zu wenig Investitionen Leben von der Substanz. Laut DIW investieren Firmen und Staat im Vergleich zu anderen Ländern zu wenig. Die Schlussfolgerung des DIW: Der Staat muss mehr tun, um private Investitionen attraktiver zu machen.

Blödsinn, finden dagegen die Wirtschaftsweisen und mahnen, nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wer beklagt, dass die Bauinvestitionen in Deutschland so stark zurückgegangen sind, vergisst, dass es wegen der deutschen Vereinigung einen Bauboom gab, nach dem die Wirtschaft erst auf ein normales Maß zurückkommen muss. Wer beklagt, dass öffentliche Verkehrs-Investitionen in Deutschland geringer seien als in Frankreich, vergisst, dass dort viele Autobahnen als private Investition getätigt und gezählt werden, hierzulande als öffentliche.

Obacht ist vor allem angebracht, wenn die vermeintliche Investitionslücke den Ruf nach staatlicher Investitions-Förderung auslöst. So hat Wirtschaftsminister Gabriel eine "Expertenkommission zur Stärkung von Investitionen" eingesetzt, der neben dem DIW-Chef viele Interessenvertreter angehören: der Städtetags-Chef (mehr Hilfe von Bund und Land!), der Chef der Energie-Gewerkschaft (Hilfe für Kohle- und Gas-Kraftwerke!) und ein Siemens-Vorstand (Hilfe für Windräder!). Der bessere Weg: Der Staat kümmert sich um den Erhalt der Infrastruktur und legt Betrieben keine Steine in den Weg. Dann investieren die von alleine dort, wo es am attraktivsten ist. Überflüssige kommunale Spaßbäder, Windräder, Kohlekraftwerke hat Deutschland genug.

Ihre Meinung? Schreiben Sie der Autorin unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE