Kolumne: Die Ökonomin : Der Fluch der festen Wechselkurse

Die Schweizer Nationalbank hat einen Verlust von 30 Milliarden Franken gemacht. Sie büßt nun für den Versuch, gegen die Märkte zu spielen. Da sind EZB und Dänen schlauer.

Welch ein Absturz! Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die bislang Milliarden an die Staatskasse überwies, hat im ersten Quartal einen Verlust von 30 Milliarden Franken gemacht. Vordergründige Ursache ist der Franken-Schock vom Januar. Damals hatte die SNB die feste Bindung des Franken an den Euro aufgegeben. Es war ihr zu teuer geworden, den Kurs von 1,20 Franken zu verteidigen. In der Folge wertete der Franken massiv auf. Teilweise war der Euro nur noch einen Franken wert. Inzwischen steht er bei 1,05 Franken. Entsprechend verloren die Euro-Bestände der Schweizer Notenbank an Wert. Nun musste sie diese abwerten, was zu dem Verlust führte.

Das tiefere Problem ist ein anderes: Die Schweiz hätte ihre Währung nie an den Euro koppeln dürfen. Mit festen Wechselkursen greifen Notenbanken in die freie Preisbildung am Devisenmarkt ein. Das geht meist ähnlich schief wie staatliche Preiseingriffe auf anderen Märkten. Ein Mindestlohn macht Geringqualifizierte arbeitslos, eine Mietbremse Neubauten unattraktiv. Hinter den Interventionen stecken meist gute Absichten, doch sie setzen falsche Anreize und lassen sich auf Dauer nicht durchhalten. Die Schweiz wollte durch den künstlich billig gehaltenen Franken ihre Export- und Tourismuswirtschaft schützen. Und musste dazu immer mehr Euro kaufen. Jetzt müssen Nestlé und Co. sehen, dass sie allein wettbewerbsfähig bleiben.

Ob Franken oder Mark: Die Währungsgeschichte lehrt, dass sich feste Wechselkurse auf Dauer nicht gegen realwirtschaftliche Entwicklungen verteidigen lassen. Starke Notenbanken können allenfalls Spekulanten abwehren. Die Europäische Zentralbank ist bislang stärker als Zocker, die einen Zerfall der Euro-Zone erwarten. Dänemarks Notenbank wehrt erfolgreich Spieler ab, die auf eine Abkoppelung der Krone vom Euro setzten. Neben dem hohen Strafzins auf Vermögen (0,75 Prozent) hilft Dänemark die Gnade des kleinen Landes am Rande der Finanzwelt. Ein mittleres Land wie die Schweiz dagegen kann das Spiel gegen die Märkte nur verlieren.

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(RP)
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