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Die Ökonomin: Braunkohle oder Neues aus Paradoxia

Die Ökonomin : Braunkohle oder Neues aus Paradoxia

Braunkohle-Boom und steigende Preise sind zwingende Folgen der Ökostrom-Förderung. Abhilfe schafft nicht ein neuer staatlicher Eingriff, sondern mehr Markt.

Greenpeace ist entsetzt: Dass im Jahr drei der Energiewende Braunkohle boomt wie seit dem Zusammenbruch der DDR nicht mehr, während klimafreundliche Gaskraftwerke weiter zurückfallen, sei schockierend. Nein, das ist nicht schockierend, sondern zwangsläufig. Der Braunkohle-Boom ist eine paradoxe Folge staatlicher Eingriffe in den Markt.

Der Staat fördert Sonnen- und Windstrom-Erzeuger gleich doppelt: Sie erhalten eine feste, vom Markt unabhängige Vergütung und haben über den Einspeisevorrang eine Abnahmegarantie. Das hat zum ungebremsten Ökostrom-Ausbau und damit zu einem Überangebot an Strom geführt. Dies hat die Preise an der Strombörse um ein Viertel einbrechen lassen. Zu diesen Preisen können oft nur die billigen Kraftwerke anbieten. Das sind vor allem abgeschriebene Braunkohle-Meiler, die viel CO2 ausstoßen. Moderne Gaskraftwerke dagegen haben bei den Preisen keine Chance. Greenpeace fordert: "Kohleboom stoppen". Doch statt dem ersten Eingriff in den Markt einen zweiten folgen zu lassen, sollte der Staat lieber den ersten korrigieren — und die Ökostrom-Förderung stoppen.

Auf ähnlichem Holzweg wie Greenpeace reitet auch Ilse Aigner durch Paradoxia. Bayerns Wirtschaftsministerin sorgt sich wegen der steigenden Energiekosten und will sie über einen Fonds finanzieren. Auch sie setzt auf einen zweiten staatlichen Eingriff, der die Folgen des ersten heilen soll. Bloß nicht! Nicht nur, dass wir mit der aktuellen Ökostrom-Förderung das Klima belasten. Wir laden mit ihrer Finanzierung per Fonds auch noch den Enkeln die finanziellen Lasten auf.

Eine nachhaltige und marktwirtschaftliche Lösung sieht anders aus: Der Ökostrom muss rasch dem Wettbewerb ausgesetzt werden. Und um die Kosten der Klimabelastung einzupreisen, muss ein marktwirtschaftlicher CO2-Zertfikate-Handel eingeführt werden. Braunkohle-Boom und Preisschub erledigten sich dann von selbst.

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(RP)