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Zensur in sozialen Netzwerken und im Internet

Zensur in sozialen Netzwerken : Die falsche Jagd auf Facebook

Soziale Medien bieten ein enormes Freiheitspotential. Sie haben die Kommunikation grundlegend verändert. Doch Meldungen und Meinungen zu zensieren, ist nicht Aufgabe eines sozialen Netzwerks.

Wann müssen soziale Medien Inhalte löschen, wann nicht? Gerade während der Corona-Pandemie ist die Debatte um diese Fragen hitziger geworden. So verlangen Politiker, Ärzte, aber auch Gesundheitsbehörden, dass Facebook, Twitter und Co. falsche Darstellungen über Entstehung, Wirkung und Verbreitung des Erregers löschen sollen.

Dahinter steckt sicher ein guter Zweck. Die Bevölkerung soll nicht durch Wichtigtuer, Abwiegler oder Verschwörungstheoretiker verunsichert werden. Doch wer entscheidet, was Stand der Wissenschaft ist und welche Meinungen dem Publikum zumutbar sind? Die Ökonomie ist eine Wissenschaft der Freiheit. Welche Produkte und Verfahren sich durchsetzen, wollen die meisten Wirtschaftswissenschaftler den freien Märkten überlassen.

Das gilt im Grunde auch für Fakten und Meinungen. Sie prallen auf freien Märkten aufeinander. Und wie bei Produkten und Produktionsprozessen setzen sich die Fakten und Meinungen durch, die von einer mehr oder weniger kundigen Öffentlichkeit angenommen wurden. Das ist sogar bei den präzisen Wissenschaften und erst recht bei der Medizin so.

Man sollte also von staatlichen Stellen den sozialen Diensten nicht vorschreiben, welche Tatsachenbehauptungen sie zensieren sollen und welche nicht. Die Wirkung einer Falschmeldung, wenn sie nicht als Amtsanmaßung daherkommt, muss man ertragen. Natürlich dürfen Zahlen und Zitate von klar definierten Quellen nicht verfälscht werden. Und wer sich Facebook, Twitter und Co. bedient, um gegen bestimmte gesellschaftliche Gruppen, Religionen oder Weltanschauungen zu hetzen, ist ein Fall für den Staatsanwalt. Wenn sich die Behörden darauf konzentrieren, haben sie wahrlich genug zu tun.

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