Der Ökonom: Warum Geburtenförderung nichts bringt

Der Ökonom : Warum Geburtenförderung nichts bringt

200 Milliarden Euro gibt die Bundesregierung für familienpolitische Leistungen aus. Trotzdem bleibt die Geburtenrate niedrig. Auch noch mehr Geld würde kaum helfen.

Der Nachwuchs an Menschen galt dem Ökonomen Julian Simon als die wichtigste Ressource einer Volkswirtschaft. Das mag stimmen, wenn man mit jungen Menschen Ideen, Frische und Innovationskraft verbindet. Genügend Nachwuchs hält eine Nation am Leben. Doch staatliche Eingriffe, um die Geburtenraten zu steigern, bringen recht wenig. Mit mehr Kindergeld, Mütterrenten und all den anderen 154 Einzelposten für Familien mit Kindern ist es jedenfalls nicht getan.

Da ist zunächst die ökonomische Entscheidung, ein Kind zu bekommen. Eltern entscheiden sich dann für Kinder, wenn sie deren Nutzen – durchaus auch emotional – höher einschätzen als die Kosten. Zu den Kosten zählen die Erziehung, Unterhalt und Ausbildung, aber auch entgangene Erwerbs- und Karrierechancen der Eltern. In reichen Gesellschaften steigen diese Kosten immens, während der Nutzen einer großen Kinderzahl (etwa die Altersversorgung der Eltern) abnimmt. Die Folge sind verringerte Kinderzahlen. Eltern investieren in die Qualität, statt in die Zahl ihrer Kinder. Gegen diesen Trend kommt keine Familienförderung der Welt an.

Ist nun der Rückgang der Geburten gefährlich, werden unsere Sozialversicherungssysteme unfinanzierbar? Das kommt auf deren Ausgestaltung an. Kommen weniger Kinder zur Welt, steigt in einer Marktwirtschaft deren Wert. Sie haben beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Denn in einer entwickelten Volkswirtschaft kann man Arbeit durch Kapital ersetzen. Ist der zweite Produktionsfaktor reichlicher vorhanden, wird die Knappheit der Arbeit kompensiert. Die Löhne steigen kräftig, und es gibt zusätzliche Spielräume für die Sozialversicherung. Für die Renten heißt das: sie dürfen nicht so stark steigen wie die Löhne, aber man sollte den reicheren Arbeitnehmern durchaus mehr an Beiträgen zumuten. Erst wenn der Politik dazu der Mut fehlt, wird die Demografie zum Problem.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de.

(RP)