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Der Ökonom: Vermögensteuer – Relikt aus dem Mittelalter

Der Ökonom : Vermögensteuer – Relikt aus dem Mittelalter

Eindeutig, praktikabel, effizient und gleichmäßig soll eine Steuer sein. Die Vermögensteuer erfüllt keine dieser ökonomischen Kriterien.

Wahre Wunder erhoffen sich SPD und Grüne von der Vermögensteuer. Sie soll die Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen korrigieren und Mittel für gute Dinge wie Bildungsinvestitionen bereitstellen. Doch so gerecht und nützlich sie vielen Wählern erscheinen mag: Die Vermögensteuer richtet ökonomisch enormen Schaden an. Sie ist zudem ein Relikt aus dem Mittelalter – aus einer Zeit, in der sich das Einkommen kaum ermitteln ließ.

Grundsätzlich soll eine Steuer einen Teil der Erträge abschöpfen und nicht die Quellen der Erträge austrocknen. Die Vermögensteuer, die als Prozentsatz auf den Vermögenswert erhoben wird, tut genau dies. Sie greift in die Substanz ein und verringert den Bestand des gesamtwirtschaftlichen Kapitals, das sich aus der Summe aller Vermögen ergibt. Dabei tut der Gesetzgeber so, als ob aus diesen Vermögen die Erträge nur so sprudeln. Dass Erträge schwanken und auch mal Verluste anfallen, interessiert nicht. Die Vermögensteuer verfehlt also ihr Ziel, sie ist hinsichtlich der Erträge höchst ungenau. Zugleich verringert sie die Quellen des Wohlstands.

Ist die Steuer wenigstens gerecht? Mitnichten. Kein Gesetzgeber würde es wagen, Hausbesitz und Geldvermögen exakt gleich zu besteuern. Ausdrücklich will die SPD Betriebsvermögen sogar von der Besteuerung ausnehmen. Wer also Unternehmen Geld in Form eines Kredits zur Verfügung stellt (Geldvermögen), muss mehr zahlen als der, der sich an der Firma beteiligt (Betriebsvermögen). Mit Gerechtigkeit hat das alles wenig zu tun.

Hinzu kommen die gewaltigen Erhebungskosten. Manche Institute schätzen sie auf bis zu 30 Prozent der Einnahmen. Das macht die Steuer wenig praktikabel. Ob Umverteilung erreicht wird, ist ebenfalls fraglich. Denn große Geldvermögen lassen sich oft rasch ins Ausland verlagern. "Kapital ist so scheu wie ein Reh", sagen Anleger. Und sie haben Recht. Wenn SPD und Grüne die Verteilung korrigieren wollen, sollten sie besser die Einkommensteuer heraufsetzen und die Progression verstärken. Das wollen sie aber der eigenen Klientel nur vorsichtig zumuten.

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(RP)