Kolumne: Der Ökonom: Unternehmen drücken sich weltweit um die Steuern

Kolumne: Der Ökonom: Unternehmen drücken sich weltweit um die Steuern

Große Konzerne zahlen nach einer Analyse der "Financial Times" weniger Steuern als vor der Finanzkrise. Der Wettlauf der Nationen um niedrigere Sätze höhlt die Steuerbasis aus.

Der Befund ist ernst. Seit der Jahrtausendwende ist der effektive Steuersatz für börsennotierte Unternehmen weltweit um gut ein Drittel von 34 auf 24 Prozent gesunken. Er liegt zudem trotz aller gegenteiligen Bekundungen, Firmen steuerlich stärker heranzuziehen, unter den Durchschnittssätzen vor der Finanzkrise. So eine Analyse der "Financial Times". Besonders Technologiekonzerne wie Apple, Google, Microsoft, Facebook oder Amazon schaffen es, ihre Belastung im Ausland auf unter zehn Prozent zu drücken. In Deutschland liegt die effektive Besteuerung von Unternehmenseignern bei knapp 50 Prozent. Hier kann man kaum von ausgeprägter Steuervermeidung sprechen.

Sind also deutsche Konzerne benachteiligt? Tatsächlich gibt es keinen ökonomischen Grund, Unternehmen neben ihren Eignern gesondert zu besteuern. Firmensteuern sind aber notwendig, weil es in der Praxis kaum möglich ist, Aktionäre, Gesellschafter und Mitunternehmer steuerlich nach den gleichen Regeln zu behandeln wie Arbeitnehmer. Resteinkommen (Gewinne und Kapitalzuwachs) sind eben schwerer zu besteuern als Festeinkommen (Löhne, Zinsen, Mieten), wie ein Merksatz lautet.

Vor allem bei der Körperschaftsteuer, die nur Unternehmen zahlen, handelt es sich um eine Krücke. Einem Aktionär, der seine Anteile nur kurzfristig hält, können kaum die jeweiligen Gewinne zugeordnet werden. Hätte der Fiskus alle Informationen über die Vorgänge an den Finanzmärkten, würde es reichen, die Dividenden und Kapitalgewinne der Aktionäre zu besteuern. Für die ungeliebten Unternehmenssteuern heißt das, dass sie so wenig wie möglich den Wirtschaftsablauf stören und hinsichtlich Investitionen, Finanzierung und Rechtsform neutral ausfallen sollen. Dann aber können Unternehmen durchaus ihren Beitrag zu einer Gleichbehandlung von Arbeitnehmern, Sparern, Einzelunternehmern und Gesellschaftern leisten. Der internationale Steuerwettlauf um niedrigere Sätze widerspricht diesem Gleichheitspostulat .

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(kes)