Der Ökonom: Prognosen – Handwerkszeug der Ökonomen

Der Ökonom : Prognosen – Handwerkszeug der Ökonomen

Erstaunlicherweise tun sich Ökonomen mit korrekten Prognosen schwer. Sie sollten sich auf Bereiche beschränken, in denen sie wirkliche Vorhersagen liefern können.

An Häme gibt es keinen Mangel, wenn ökonomische Prognosen mal wieder daneben liegen. Ob Sachverständigenrat, Wirtschaftsinstitute oder Banken, sie alle kommen mit komplizierten Modellen daher, gespeist durch riesige Computer, und liefern doch höchst ungenaue Vorhersagen über die wirtschaftliche Entwicklung. Der Aufschwung wird zu schwach eingeschätzt, die Rezession häufig ausgeklammert. Das ist oft nicht böser Wille, sondern liegt an der Art der Modelle, die vor allem Vergangenheitsdaten abbilden und in die Zukunft mit ausgefeilten mathematischen Formeln fortschreiben. Vollends unbrauchbar sind Prognosen über Zins oder Wechselkurs, die, so fanden viele Studien heraus, nur ganz selten richtig getroffen werden — und dann meist durch Zufall.

Ökonomie ist eben keine exakte Wissenschaft, sondern verlangt profundes wirtschaftliches Expertenwissen, Einfühlungsvermögen, Erfahrung und einen ausgeprägten gesunden Menschenverstand. Dennoch können Ökonomen mit ihrem Wissen korrekte Voraussagen machen, die verblüffend sind. So haben Wirtschaftshistoriker nachgewiesen, dass eine solide und restriktive Finanzpolitik des Staates regelmäßig zu höherem Wachstum führt als Schuldenmacherei. Das ist für die gegenwärtige Schuldenkrise im Euro-Raum eine wichtige Erkenntnis. Eine scharfe Haushaltskonsolidierung bringt im Endeffekt mehr Wachstum als eine vorübergehende Lockerung der Etat-Disziplin, wie sie etwa der Währungsfonds oder die EU-Kommission fordern.

Auch die Folgen der Hartz-Gesetzgebung auf den Arbeitsmarkt haben die Ökonomen korrekt vorhergesehen. Die Einschnitte bei der Arbeitslosenhilfe haben den faktischen Mindestlohn, der durch diese Unterstützung entsteht, gesenkt. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse, der flüchtigen wie der sozialversicherungspflichtigen, ist millionenhaft gestiegen. Ökonomen sollten den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf diese Vorhersagen legen. Die Konjunkturmodelle wären dann eine nette Übung, aber auch nicht mehr.

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(RP/das)