Der Ökonom: Die seltsame Ökonomie des Internets

Der Ökonom : Die seltsame Ökonomie des Internets

Das Internet hat wie kaum eine andere Erfindung die Menschheit verändert. Manche sagen, hier gelten andere Regeln als in der traditionellen Wirtschaft. Doch das ist falsch.

Der Gründerkrach des Internet-Zeitalters ist vorbei. Doch immer noch glauben viele Netz-Experten, dass bei Google, Facebook und Co. andere Regeln gelten als bei der Produktion von Stahl, Autos oder Bankdienstleistungen. Der Netzzugang ist, abgesehen von einer meist nicht ins Gewicht fallenden Flatrate, für User frei, die meisten Inhalte sind kostenlos und die Verfügbarkeit ist allumfassend.

Hat hier ein neues Zeitalter der Wirtschaft begonnen, in dem es nicht mehr auf Privateigentum, Gewinn oder Preis ankommt? Wenn dem so wäre, so müsste man sich gleichwohl fragen, warum die Gründer von Facebook, Youtube oder Tumblr in nur kurzer Zeit durch den Verkauf ihrer Internet-Firmen zu Multimillionären oder gar Milliardären wurden. Haben die Käufer etwa zu viel Geld?

Der Eindruck vom freien Netz und den freien Informationen kommt daher, dass das Internet ökonomisch gesehen wie ein öffentliches Gut wirkt: Jemand stellt es bereit (in der klassischen Ökonomie der Staat, hier die vielen Internet-Enthusiasten), und alle anderen können das Instrument nutzen, ohne in Konkurrenz zueinander zu treten. Oder anders ausgedrückt: Ist eine Information oder eine Kommunikationsmöglichkeit da, kann sie von beliebig vielen Nutzern ohne Zusatzkosten geteilt werden. Das ist bei Autos, Stahl oder bei Einbauschränken nicht der Fall.

Das zweite Charakteristikum eines öffentlichen Gutes ist der teure Ausschluss. Es ist umständlich, für eine Information eine Gebühr zu verlangen. Deshalb haben selbst gewinnorientierte Unternehmen, auch viele Zeitungen, davor zurückgeschreckt, für ihre Inhalte Geld zu verlangen. Doch Inhalte, Preisvergleiche, exklusive Nachrichten oder schiere Wissensvermittlung, sind nicht ohne Aufwand zu erstellen. Es mag altruistische Enthusiasten geben, die diesen Aufwand freiwillig leisten. Auf Dauer werden sie das aber kaum tun, weil sie ihre Arbeitszeit anderswo gewinnbringender einsetzen können.

Auch im Internet gelten also die wirtschaftlichen Regeln von Aufwand und Ertrag, Erlösen und Kosten. Die Werbung mag das zum Teil auffangen, sie ist aber als Bezahlmodell weniger transparent als etwa direkte Gebühren. Wer weiß schon, ob die günstigen Angebote bei einem Preisvergleich nicht werbliche Lockvögel sind. Bei Facebook zahlt man mit dem Verlust der Privatheit.

Die Existenz wirtschaftlicher Regeln zeigt, dass das kostenlose Internet mehr und mehr der Vergangenheit angehören wird. Denn von Klickzahlen allein kann man nicht leben.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)