Der Ökonom: Die Euro-Krisenländer sind besser als ihr Ruf

Der Ökonom : Die Euro-Krisenländer sind besser als ihr Ruf

Die Rettungspakete haben viel Geld in die Euro-Krisenländer gelenkt. Sie sind aber auch mit strengen Vorgaben verbunden. Und die bringen erstaunliche Anpassungen hervor.

Die Euro-Rettungspolitik wird oft dafür kritisiert, dass Geld in ein Fass ohne Boden fließt. Die betroffenen Länder wie Griechenland, Portugal und Irland erhalten Hilfen oder wie im Fall Spanien Garantien und lassen sofort in ihren Anstrengungen nach, Finanzen und Wirtschaft wieder in Ordnung zu bringen.

Ein Blick in die Statistik straft solche Vermutungen rasch Lügen. Nimmt man den Zins für langfristige Staatsanleihen als Indiz für die Gefährdung der Staatshaushalte, sind alle Krisenländer auf einen Sanierungskurs eingeschwenkt. Selbst Griechenland zahlt gegenwärtig weniger als zehn Prozent auf seine Anleihen. Das ist zwar immer noch hoch, aber gemäßigt im Vergleich zu den Spitzen von 40 Prozent im Krisenjahr 2012. Der Zinsabstand zu Deutschland, im Fachjargon Spread genannt, schrumpfte gar auf kaum mehr als sieben Prozent. Bei den anderen Krisenkandidaten Portugal, Irland, Spanien oder Italien fällt der Spread noch geringer aus.

Damit ist das Ende der Eurokrise noch nicht eingeleitet. Denn die Höhe der Verschuldung von Ländern wie Griechenland (170 Prozent der Wirtschaftsleistung) oder Italien (130 Prozent) ist nach wie vor gefährlich. Aber die Vorgaben zeigen Wirkungen. Sieht man von Zinsen ab, nimmt Griechenland wieder mehr ein, als es ausgibt. Italien exportiert mehr Güter, als es importiert, zugleich wächst das Konsumvertrauen. Das bedeutet, das Land wächst wieder.

Die Länder haben noch einen weiten Weg vor sich. In Griechenland ist der öffentliche Sektor weiterhin viel zu aufgebläht, in Italien kommt die Reform des Arbeitsmarkts nicht voran, und in Spanien geht man noch immer davon aus, dass Europa, und damit die deutschen Sparer, die bankrotten Banken mit mehr Eigenkapital ausstatten. Die Politik der Rettung und der harten Vorgaben muss noch Jahre anhalten. Immerhin ist wenigstens im Grundsatz der Beweis erbracht, dass die restriktive Finanz- und Lohnpolitik funktioniert.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)