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Kolumne: Der Ökonom: Der verrückte Fußball-Transfer-Markt

Kolumne: Der Ökonom : Der verrückte Fußball-Transfer-Markt

Für relativ unbekannte Spieler werden mittlerweile gigantische Transfersummen bezahlt. Spielt der Fußball-Markt verrückt? Nur zum Teil, vieles ist auch echtes Geschäft.

Kennen Sie Roberto Firmino? Wenn Sie nur gelegentlich Länderspiele schauen, dann haben Sie vermutlich vom ehemaligen Spieler der TSG 1899 Hoffenheim noch nichts gehört. Trotzdem wechselte der 23-jährige Brasilianer für gigantische 41 Millionen Euro vom nordbadischen Club zum FC Liverpool. 75 Millionen Euro ließ sich Manchester City den Belgier Kevin de Bruyne kosten, der bislang beim VfL Wolfsburg spielte. Der portugiesische Weltstar Cristiano Ronaldo kam vor Jahren für 94 Millionen zu Real Madrid und ist dort praktisch unverkäuflich. Auf eine Milliarde Euro hat Real-Präsident Florentino Perez den Wert des Spielers festgesetzt. Der argentinische Dribbelkünstler Lionel Messi (FC Barcelona) ist ab 250 Millionen Euro zu haben.

Spielt der Fußball-Markt verrückt? Übertreibungen in diesem Geschäft gibt es sicher. Die italienische Liga Serie A hat sich mit Mega-Ablösen ruiniert. Aber die meisten Vereine, besonders die englischen, sind kühl kalkulierende Unternehmen. Danach bemisst sich der Wert eines Spielers nach den diskontierten Netto-Einkünften, die ein Club mit dem Star erzielen kann. Das Kalkül entspricht genau dem einer Investition in eine industrielle Produktionsanlage oder in ein neues Produkt in der Computer-Branche.

Die englische Premier League, die 1,2 Milliarden Euro in neue Spieler investiert hat, ist auch deshalb so aktiv, weil sie sich global neue Einnahmequellen erschlossen hat. Englische Spiele werden in großen Märkten wie den USA, China oder Lateinamerika vermarktet. Die Mannschaften müssen dort auf Tournee gehen. Zugleich sprudeln die Fernseh-Einnahmen aus dem Bezahl-TV sowie das weltweite Merchandising mit Trikots und anderen Fan-Artikeln.

Trotzdem sollte die Uefa als "Finanzaufsicht" stärker einschreiten und Übertreibungen vermeiden. So müsste es Regeln für die Höchstverschuldung geben. Das Financial Fair Play des Verbandes ist ein Anfang. Das Regelwerk muss aber dringend weiterentwickelt werden.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)