1. Wirtschaft
  2. Kolumnen
  3. Der Ökonom

Der Ökonom: Der Mythos von der Immobilienblase

Der Ökonom : Der Mythos von der Immobilienblase

In begehrten Städten wie Düsseldorf, Hamburg oder Köln sind die Immobilienpreise extrem nach oben geschossen. Doch das spiegelt Knappheiten wider. Eine Blase ist es nicht.

Mehr als 10 000 Euro pro Quadratmeter zahlte in diesem Jahr ein Käufer für ein Grundstück am Aasee in Münster. In Düsseldorf erzielte eine Wohnung in Innenstadtlage einen Quadratmeterpreis von fast 7000 Euro. Am deutschen Immobilienmarkt scheinen die Proportionen aus dem Ruder zu laufen. Bahnt sich eine ähnliche Entwicklung an wie vor etlichen Jahren in den USA?

Nach einer gängigen ökonomischen Definition liegt eine Blase auf dem Wohnungsmarkt dann vor, wenn die Immobilienpreise über einen langen Zeitraum stärker steigen als die Mieten. Da die Mieten die Rendite eines Wohnhauses bestimmen, würde es sich in einem solchen Fall eigentlich lohnen, die Immobilie zu verkaufen und auf andere Anlageformen auszuweichen. Denn jeder Investor hält bei steigenden Immobilienpreisen sein Renditeobjekt nur so lange, bis er eine bessere Verzinsung seines Kapitals findet. Damit findet der Markt zum Gleichgewicht zurück. Durch den Verkaufsdruck fallen die Preise und die Rendite steigt wieder. Sollte die Preis-Rallye am Immobilienmarkt trotz gleichbleibender Mieten aber anhalten, ist der Anstieg ökonomisch nicht gerechtfertigt. Es liegt eine gefährliche Immobilienblase vor.

In Deutschland sind die Zinsen niedrig, was die Anleger tatsächlich in die Immobilien treibt. Doch das ist ökonomisch vernünftig, da die Lebenshaltungskosten und die Mieten seit 2009 schneller steigen als die Immobilienpreise. Selbst in den begehrten Vierteln der Metropolen erzielen Immobilien-Anleger noch immer eine ausreichende Rendite. Zugleich ist es lukrativ, neue Wohnungen zu bauen. Deshalb steigt sogar die Zahl der Fertigstellung etwa in Nordrhein-Westfalen seit 2011 wieder an.

Der Wohnungsmarkt funktioniert also. Von Übertreibungen - von einigen Ausnahmen abgesehen - kann nicht die Rede sein. Auf jeden Fall dämpft der Neubau wesentlich effektiver die Mieten als jede noch so gut gemeinte Mietpreisbremse.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)