Der Ökonom: China – scheinbar erfolgreiche Planwirtschaft

Der Ökonom : China – scheinbar erfolgreiche Planwirtschaft

Mit einer Mischung aus Planung und Wettbewerb hat sich China zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht emporgearbeitet. Jetzt zeigen sich erste Anzeichen, dass der Motor stockt.

Der Aufstieg Chinas zu einer der führenden Wirtschaftsmächte der Welt hat in der Geschichte kein Vorbild. Noch 1978 war das Reich der Mitte eines der ärmsten Länder der Welt, das Pro-Kopf-Einkommen betrug gerade einmal ein Vierzigstel des amerikanischen. 35 Jahre später hat China bereits ein Fünftel des US-Standards erreicht. In absoluter Größe hat seine Ökonomie alle Länder außer den USA überholt.

Über die Wirtschaft Chinas kursieren abenteuerliche Vorstellungen. Angeblich herrschen Raubtierkapitalisten, die Millionenstädte im Zeitraffer hochziehen, Billionen an Reserven anhäufen und die Welt mit Billigwaren überschwemmen.

Tatsächlich ist die Transformation Chinas das kühle und kühne Werk von staatlichen Planern, die in einem Versuch-und-Irrtums-Prozess die Wirtschaft lenken. Maßgeblich ist ein Fünfjahresplan, der noch bis 2014 gilt. So bündelt das Land seine Anstrengungen, die Planer können gewaltige Kreditsummen für Prestigeobjekte locker machen, und auf der Firmenebene dominieren kommunale Unternehmen, häufig unter der Ägide lokaler Parteigrößen. Ähnlich wie die Sowjetunion zeitweise hat China gewaltige Investitionen in Gang gesetzt, die in beiden Ländern zu hohen Wachstumsraten führten, aber nicht unbedingt die Effizienz steigerten. Seit 1978 fördern Chinas Planer die Produktivität, setzen auch staatliche Unternehmen dem Wettbewerb aus und lassen vermehrt Privatbesitz zu. Die Planung jedoch liegt weiter bei der Kommunistischen Partei.

Nach Jahrzehnten stürmischen Wachstums scheint das System an Grenzen zu stoßen. Viele Unternehmen sind überschuldet, die Kreditmaschine stockt, die Industrie wächst kaum noch. Will die Führung den Crash vermeiden, muss sie jenseits aller Stabilisierungsmaßnahmen endlich von Planzahlen Abschied nehmen, die Eigentumsrechte stärken und den Rechtsstaat einführen. Ein solches marktwirtschaftliches System gab es einmal – zu Zeiten der Song-Dynastie vor 900 Jahren. China war damals das erfolgreichste Land der Erde.

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(RP)