Der Ökonom: Bekommen die Älteren zu viel Rente?

Der Ökonom : Bekommen die Älteren zu viel Rente?

Ökonomen messen die Generationengerechtigkeit mit dem Modell der sich überlappenden Generationen. So bestimmt der Produktivitätszuwachs die Rentensteigerung.

Die meiste Kritik am schwarz-roten Koalitionsvertrag kam dieses Mal von den Jungen. Das neue Regierungsbündnis bevorzuge die Rentner, bestrafe die nachwachsende Generation, lautete der Vorwurf.

Ökonomen messen die Generationengerechtigkeit mit dem Modell der sich überlappenden Generationen. In der Version der beiden Nobelpreisträger Paul A. Samuelson und Peter Diamond besteht das Modell aus zwei Generationen, den Jungen und den Alten. Die junge Generation arbeitet und verwendet einen Teil des Einkommens zum Konsum und den anderen Teil spart sie, um im Alter davon leben zu können. Die ältere Generation verbraucht folglich ihre Ersparnisse aus der vorangegangen Periode. Die Rentenversicherung mit den Beiträgen lässt sich da sehr gut einfügen.

Am einfachsten ist es, wenn die Bevölkerung und das Wirtschaftswachstum konstant bleiben. Dann entsprechen sich die Ersparnisse der Jungen und der Konsum der Alten. Beide bekommen exakt, was sie verdienen. Das Postulat der Generationengerechtigkeit ist hergestellt.

Wenn die Bevölkerung wächst oder schrumpft, ändert sich das Bild. In einer wachsenden Gesellschaft profitieren die Alten, in einer schrumpfenden müssen sie auf Teile ihrer Anwartschaften verzichten. Die Renten müssten dann sinken. Dass es so nicht kommt, liegt an der steigenden Arbeitsproduktivität — durch technischen Fortschritt und vermehrten Kapitaleinsatz. Daran sollten die Rentner teilhaben, wenn es gerecht zugehen soll. Die Effekte der schrumpfenden Bevölkerung sind allerdings abzuziehen.

Übertragen auf die aktuelle Diskussion heißt das, neue Leistungen für Senioren wie die Rente mit 63 widersprechen diesem Prinzip — vor allem dann, wenn sie mit höheren Beiträgen bezahlt werden. Das Gleiche gilt für die Mütterrenten. Wenn der Staat beide Gruppen, die langjährig Versicherten und die Mütter belohnen will, soll er das aus der Staatskasse tun. Dann zahlen es alle.

Fragen? Schreiben Sie dem Autor unter kolumne@rheinische-post.de

(RP)