Der IWF will Bargeld teurer machen

Kolumne: Der Ökonom : Teures Bargeld

Es klingt wie ein verrückter Plan, aber er ist ernst gemeint: Der IWF will unterschiedliche Supermarktpreise für Bargeld- und Kartenzahler.

Noch stemmen sich die Prognostiker mit aller Macht gegen das böse R-Wort. Doch die Zeichen sind unübersehbar. Die wichtigsten westlichen Wirtschaften gleiten in die Rezession ab. Wie tief und nachhaltig sie ausfällt, das gehört – wie immer – zu den großen Geheimnissen der Ökonomie. Weniger geheimnisvoll sind die Mittel gegen das Abgleiten der Konjunktur. Die Notenbanken müssen mit niedrigen Zinsen den Kredit billiger machen, die Staaten ihr Budgets verfestigen und nicht kontraproduktiv ebenfalls sparen.

In einer Zeit von Null- und Negativzinsen ist das leichter gesagt als getan. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) beträgt exakt 0 Prozent, Auch die US-Notenbank Fed verlangt gerade einmal 2,5 Prozent für Hereingabe kurzfristiger Wertpapiere. Nach Schätzung von Ökonomen müsste aber der Zins um drei bis fünf Prozentpunkte sinken, um eine drohende Rezession aufzuhalten.

Der Internationale Währungsfonds (IWF), die mächtigste Währungsorganisation der Welt, hat nun über seine volkswirtschaftliche Abteilungen einen Vorschlag gemacht, der aufhorchen lässt. Er empfiehlt in Volkswirtschaften, die von der Rezession bedroht sind, die Einführung deftiger Minuszinsen bis zu drei Prozent. Das heißt, wenn einer auf dem Konto 100 Euro hat, wird er in Jahresfrist nur 97 Euro zurückbekommen.

Rationale Wirtschaftsakteure würden in einem solchen Fall ihr Geld von der Bank abheben und das Bargeld zu Hause oder in eigenen Tresoren horten. Um das zu verhindern, empfiehlt der IWF eine Wechselgebühr in Höhe des Negativzinses oder gar unterschiedliche Preise in Supermärkten bei Bargeld- und Kartenzahlern.

Das wäre Planwirtschaft auf Weltniveau. Eine internationale Währungsbehörde schreibt Einzelhändlern vor, wie sie ihre Preise zu gestalten hätten. Mit Marktwirtschaft hätte das nichts mehr zu tun. Statt dessen empfiehlt sich mehr Gelassenheit. Wenn Bargeld wirklich so wertvoll ist, könnten sich die Bürger reicher fühlen und mehr ausgeben – gut für die Konjunktur.

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