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Wirecard-Skandal: Ex-Chef Markus Braun bleibt in U-Haft

Neue Haftbeschwerde der Anwälte : Ex-Wirecard-Chef Braun bleibt in U-Haft

Vor zwei Jahren Milliardär, heute in Untersuchungshaft und sehr wahrscheinlich ruiniert. Der unter Milliardenbetrugsverdacht stehende Ex-Wirecard-Chef Braun ist sehr tief gefallen.

Nach dem Bilanzskandal beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard bleibt der frühere Vorstandschef Markus Braun vorerst in Untersuchungshaft. Ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts München eröffnete dem österreichischen Manager am Mittwoch einen neuen Haftbefehl, den die Staatsanwaltschaft beantragt hatte, wie das Gericht auf Anfrage mitteilte. Allerdings wird sich das Gericht wegen einer neuen Haftbeschwerde demnächst wieder mit dem Fall beschäftigen müssen.

Braun sitzt seit 22. Juli hinter Schloss und Riegel, ebenso wie zwei weitere Wirecard-Manager. Der neue Haftbefehl ersetzt den bisherigen. Staatsanwaltschaften beantragen üblicherweise neue Haftbefehle, wenn neue Sachverhalte im Ermittlungsverfahren auftauchen. Die Vorwürfe seien erweitert worden, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft, ohne Einzelheiten zu nennen.

Brauns Anwälte hatten zuvor Haftbeschwerde gegen den ursprünglichen Haftbefehl eingereicht. Weil dieser nun hinfällig ist, wurde auch die Haftbeschwerde hinfällig. Brauns Anwalt Alfred Dierlamm hat nun unmittelbar auch gegen den neuen Haftbefehl Beschwerde eingelegt, wie der Jurist am Abend sagte.

Die Staatsanwaltschaft sieht in Braun einen Hauptverantwortlichen für „gewerbsmäßigen Bandenbetrug“, bei dem die Wirecard-Chefetage über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll, um das Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Auf diese Weise sollen Braun und seine Komplizen kreditgebende Banken und Investoren um bis zu 3,2 Milliarden Euro geprellt haben, die nun höchstwahrscheinlich verloren sind.

Wirecard ist Zahlungsabwickler für Kreditkarten an Ladenkassen und im Internet. Die Geschäfte mit nicht existenten Kunden wurden nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über Subunternehmer im Mittleren Osten und in Südostasien abgewickelt. Das tatsächlich existierende Geschäft mit der Zahlungsabwicklung dagegen war so klein, dass Wirecard in Wahrheit Verluste schrieb.

Der mutmaßliche Bilanzschwindel hatte Wirecard 2018 zum Aufstieg in den Dax verholfen. Braun wurde mit seinem Anteil an Wirecard zwischenzeitlich zum Milliardär, bevor der Absturz der Wirecard-Aktie nach der Aufdeckung des Skandals auch das Vermögen des österreichischen Managers schrumpfen ließ. Braun muss fürchten, dass ihm von seinem früheren Reichtum nichts bleiben wird, da neben dem Strafverfahren viele Entschädigungsklagen auf ihn zukommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor im Fall Wirecard das Vermögen von „vier natürlichen Personen“ und drei Firmen einfrieren lassen - allerdings nicht erklärt, dass Brauns Vermögen darunter sei. Der Manager hatte für die Verwaltung seines Geldes eine eigene Firma gegründet, außerdem besitzt er Häuser. Bei den Arrestbeschlüssen für die Vermögen der „natürlichen Personen“ handelte es sich nach früheren Angaben der Ermittler um Summen bis zum mittleren zweistelligen Millionenbereich, bei den Gesellschaften teilweise im unteren dreistelligen Millionenbereich.

Soweit bekannt, hat bislang auch ein Wirecard-Aktionär beim Oberlandesgericht München einen Vermögensarrest gegen Braun erreicht. Dabei geht es um Schadenersatz für die Verluste, die der Anwalt mit Wirecard-Aktien machte.

(özi/dpa)