Düsseldorf: Wirbel um neuen Eon-Betriebsrat

Düsseldorf: Wirbel um neuen Eon-Betriebsrat

Seit Eon den Abbau von weltweit 11 000 Arbeitsplätzen verkündet hat, herrscht Unruhe in Deutschlands größtem Energiekonzern. Und die macht auch vor dem Konzernbetriebsrat nicht halt. Gestern wählte das Gremium einen neuen Vorstand: Von nun an ist Michael Mittmann Vorsitzender des Konzernbetriebsrates, wie das Gremium gestern mitteilte. Der 55-Jährige löst den langjährigen Chef Hans Prüfer ab.

Im Eon-Intranet heißt es: "Nach intensiven Diskussionen hat sich das Gremium entschieden, einen Neuanfang zu starten." Der bisherige Vorstand habe sich entschieden, einer Neuwahl Platz zu machen. Prüfer selbst sagt: "Ich bin abgewählt worden." Eigentlich wäre seine Amtszeit noch bis 2014 gelaufen. Er gehe aber ohne Groll.

Prüfer hatte energisch den von Eon-Chef Johannes Teyssen im August 2011 verkündeten Stellenabbau bekämpft, der Gesprächsfaden zwischen ihm und dem Vorstand war gerissen. Manchen Arbeitnehmervertretern war er dabei zu klassenkämpferisch aufgetreten, heißt es. Auch zu einem Rahmensozialplan kam es nie, stattdessen hatten einzelne Unternehmen eigene Sozialpläne ausgehandelt.

"Wir wollen wieder Gehör finden beim Vorstand und den Projektverantwortlichen. Nur so können wir die Zukunft mitgestalten", sagt Michael Mittmann. Noch immer läuft die Umsetzung des Stellenabbaus, und Abfindungen und Aufhebungen müssen verhandelt werden.

Mittmann, der bisher den Gesamtbetriebsrat der IT-Tochter von Eon führt, kennt Teyssen seit langem. Der promovierte Ingenieur warnt davor, die Belegschaft mit dem Tempo der Veränderung zu überfordern, sagte aber auch: "Wir müssen dafür sorgen, dass wir wieder mitgenommen werden, so können wir am meisten für die Sicherung der Arbeitsplätze tun." Man müsse wieder Ruhe in Konzern und Belegschaft bringen.

Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus sagte zur Neuwahl: "Ich freue mich auf eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Gremium." Betriebsratsvertreter weisen den Vorwurf von sich, bei Eon könne sich der Vorstand die Arbeitnehmervertreter aussuchen und unliebsame Betriebsräte kalt stellen. "Das ist Unsinn", sagt Eberhard Schomburg, Chef des Europa-Betriebsrats der Eon AG. Es gebe doch viele positive Beispiele. Die Wahl der neuen Spitze sei zudem mit breiter Mehrheit erfolgt.

Prüfer ist nicht der einzige, der an Einfluss verliert. Die Gewerkschaft Verdi ersetzte auch ihren Konzernbetreuer. Statt Sven Bergelin ist nun Erhard Ott für Eon verantwortlich. Bergelin hatte wie Prüfer öffentlich den Vorstand kritisiert.

Die Personalrochaden sind auch beim Umbau der Eon AG zur Europäischen Aktiengesellschaft (SE) von Bedeutung. Seit langem ringt man darum, wie der mächtige Aufsichtsrat der SE aussehen soll, die am 1. Januar startet. Statt 20 Mitglieder soll das neue Gremium (wie bereits früher berichtet) voraussichtlich nur nur zwölf haben. Den Arbeitnehmervertretern stünden damit sechs Sitze zu, die sie zwischen Ausländern und Deutschen aufteilen müssen. Üblicherweise gilt in deutschen Konzernen der Betriebsrats-Chef als gesetzt.

(RP)