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München: Windstrom - neuer Markt für Versicherer

München : Windstrom - neuer Markt für Versicherer

Die Allianz besitzt 54 Windparks. Auch die Munich Re investiert immer mehr in erneuerbare Energien.

Was hat ein Windpark in Schweden mit einer Lebensversicherungspolice in Deutschland zu tun? Für die rund 90 Millionen Kunden einer Lebensversicherung liegt der Zusammenhang nicht gerade auf der Hand. Am Ende der Laufzeit ihrer Lebensversicherung wollen sie das Geld bekommen, das die Versicherung ihnen beim Vertragsabschluss versprochen hat. Doch in der Niedrigzinsphase fällt es den Versicherern immer schwerer, die langfristigen Garantieversprechen zu erfüllen.

Geldanlagen mit stabilen Erträgen sind deshalb gesucht. Investitionen in Wind- und Solarparks scheinen den Versicherern dabei eine gute Wahl. "Heute abgeschlossene Lebensversicherungen werden normalerweise erst in vielen Jahren oder Jahrzehnten fällig", sagt David Jones, der sich bei der Allianz um Investitionen in erneuerbare Energien kümmert. Um diesen Verpflichtungen nachkommen zu können, seien Wind- und Solarparks mit einem Investitionshorizont von 25 Jahren gut geeignet. Mit durchschnittlich fünf bis sechs Prozent lieferten die Investments zudem eine höhere Rendite als andere Anlagen wie zum Beispiel Staatsanleihen, die immer noch den Großteil der Geldanlage ausmachen. Aus ähnlichen Überlegungen stehen seit einigen Jahren auch Investitionen in gewerbliche Immobilien wie Einkaufszentren oder Bürokomplexe bei den Versicherern hoch im Kurs.

"Das sind alles Folgen des Anlagenotstandes", sagt Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt. Solange die alternativen Anlageformen nicht zu stark ausgeweitet werden, hat sie kein Problem damit: "Dann bleiben die Risiken überschaubar." Denn die Liste der Unternehmen, die mit Investments in Windenergie Pech hatten, ist lang. Oft entscheiden politische Rahmenbedingungen in den Ländern darüber, wie lukrativ die Investitionen sind.

Die Allianz besitzt 54 Wind- und sieben Solarparks in Deutschland, Frankreich, Italien, Schweden und Österreich. In Österreich hat der Konzern erst vor wenigen Wochen vier Windparks im Umkreis von Wien übernommen. Mit dem Zukauf überstiegen die Investments in erneuerbare Energien erstmals die Marke von 2,5 Milliarden Euro. Gemessen an den gesamten Kundengeldern von mehr als 600 Milliarden Euro ist das zwar noch immer ein winziger Teil, aber der Trend ist klar.

Auch der Rückversicherer Munich Re nimmt für erneuerbare Energien immer mehr Geld in die Hand. Das Volumen liegt nach Angaben eines Sprechers bei 700 Millionen Euro, davon rund 400 Millionen Euro in Windkraft.

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Selbst Geldanlagen in Windparks im Meer sind für die Allianz kein Tabu mehr, auch wenn "das Risiko bei Offshore-Anlagen generell größer ist als bei Windkraft-Anlagen an Land", wie Jones mit Blick auf höhere Kosten für Reparaturen auf hoher See sagt. Im Gegensatz zu den Anlagen auf dem Land würde der Versicherer nicht alleiniger Eigentümer werden, sondern beispielsweise mit einem Stromanbieter kooperieren.

(dpa)