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Wiesehügel: "Ich habe einen Maulkorb bekommen"

Wiesehügel: "Ich habe einen Maulkorb bekommen"

interview Hochtief-Aufsichtsrat Klaus Wiesehügel wurde auf der Hauptversammlung scharf kritisiert. Warum er dazu geschwiegen hat.

interview Hochtief-Aufsichtsrat Klaus Wiesehügel wurde auf der Hauptversammlung scharf kritisiert. Warum er dazu geschwiegen hat.

Die Aktionäre haben von Ihnen mehrfach eine Erklärung verlangt. Warum haben Sie nicht geantwortet?

Wiesehügel Ich wollte ja, aber der Noch-Aufsichtsratschef Detlev Bremkamp hat mir kein Rederecht gegeben. Ich habe geradezu einen Maulkorb bekommen.

Was wollten Sie denn sagen?

Wiesehügel Dass die kolportierte Version von einer Nacht-und-Nebel-Aktion, in der ich Hochtief an ACS verraten hätte, unwahr ist. Ich habe dem Hochtief-Vorstand bereits im November angekündigt, dass ich mit dem Management von ACS eine Vereinbarung zum Wohle der Hochtief-Mitarbeiter für den Fall einer Übernahme anstrebe. So haben wir als IG Bau im Gegensatz zum scheidenden Hochtief-Management Zugeständnisse an die Hochtief-Mitarbeiter erreicht. Den Aktionären hätte ich gerne gesagt: Ihr regt Euch nur auf, weil ACS Euch kein Aufgeld auf Eure Hochtief-Aktien zahlt. Jetzt sucht Ihr einen Sündenbock, und der soll ich sein.

Sie wurden als "Totengräber von Hochtief" bezeichnet. Verstehen Sie den Vorwurf?

Wiesehügel Der Wendepunkt in der Schlacht um Hochtief war nicht meine Vereinbarung mit ACS. Der Wendepunkt war der Tag, an dem die deutsche Börsen-Aufsicht BaFin das Angebot von ACS gebilligt hat.

Was halten Sie vom neuen Hochtief-Chef Frank Stieler?

Wiesehügel Er ist erfahren. Auch ihn hat die Hauptversammlung unter der Regie des alten Aufsichtsrates aber kaum zu Wort kommen lassen. Weil er als ACS-Günstling gilt, und weil der Alt-Aufsichtsrat sauer ist, dass er seine Posten verliert.

Wird Hochtief jetzt zerschlagen?

Wiesehügel Ich bin fest davon überzeugt, dass das nicht geschieht. Ich habe mit der Spitze von ACS persönlich über die Zukunft von Hochtief gesprochen. Das wurde mir sehr glaubwürdig versichert.

Thomas Reisener führte das Gespräch.

(RP)