Besonders in Aachen Wieder mehr Start-up-Gründungen in NRW

Düsseldorf/Berlin · Nach der Corona-Pandemie schlitterte die Start-up-Szene in eine Krise: Die Unsicherheit um die Konjunktur, gestiegene Zinsen und zögerliche Investoren machten Gründern zu schaffen. Nun deutet sich eine Trendwende an: In Deutschland – und speziell NRW – wird wieder mehr gegründet.

Die Start-up-Gründungen in Deutschland nehmen langsam wieder zu.

Die Start-up-Gründungen in Deutschland nehmen langsam wieder zu.

Foto: dpa/Jens Kalaene

Gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft: In Deutschland werden wieder mehr Start-ups gegründet. Im ersten Halbjahr 2024 stieg die Zahl der Neugründungen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2023 um 15 Prozent. Insgesamt verzeichnete Deutschland zwischen Januar und Juni dieses Jahres 1384 neue Start-ups. Der Start-up-Verband, der die Zahlen gemeinsam mit der Datenbank Startupdetector in seinem „Next Generation“-Report erhoben hat, sieht darin eine Trendwende gegenüber dem starken Rückgang der Gründungen 2022.

Damals beherrschten große Unsicherheiten über die Konjunktur, gestiegene Zinsen und zögerliche Investoren das Ökosystem. Im zweiten Halbjahr 2022 wurden lediglich 1111 neue Start-ups gegründet. Nun scheint es wieder bergauf zu gehen.

Um die Zahlen einordnen zu können, muss man sich zunächst anschauen, um welche Art von Gründungen es im Report geht. Denn: Unternehmensgründung ist nicht gleich Unternehmensgründung. Der Report erfasst lediglich die Entstehung von Start-ups – und für die hat der Verband eine genaue Definition. Als Start-ups gelten nur junge Firmen, die jünger als zehn Jahre sind, ein geplantes Mitarbeiter- oder Umsatzwachstum haben und hochinnovativ in ihren Produkten, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen oder Technologien sind.

Besonders drei Bundesländer fallen in der Untersuchung positiv auf: In Berlin entstanden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit 265 Neugründungen (2023: 206) die meisten Start-ups, auf Platz zwei landet Bayern mit 260 (2023: 251), auf Rang drei Nordrhein-Westfalen mit 251 (2023: 199). Vor allem in NRW (plus 25 Prozent) und Berlin (plus 28 Prozent) zeigt sich ein deutlicher Aufwärtstrend.

Unter den Städten leisten sich München und Berlin ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Sie bilden die Hotspots des deutschen Start-up-Ökosystems und vereinen mehr als ein Viertel aller Neugründungen im Land auf sich (26 Prozent). Die Bundeshauptstadt weist in absoluten Zahlen die meisten Gründungen auf, während München bei den Gründungen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen zwölf Monaten mit 12,9 etwas besser dasteht als Berlin (12,5). Aachen landet auf Platz 3 (11,9). Das liegt wohl daran, dass der Standort mit der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule (RWTH) besonders forschungsnah ist.

Bei den Branchen gewinnt vor allem der Bereich Software – nie wurden mehr Start-ups darin gegründet als im vergangenen Halbjahr. Mit 302 Neugründungen entfällt sogar jedes fünfte neue junge Unternehmen auf die Branche. Helmut Schönenberger, stellvertretender Vorsitzender des Start-up-Verbands hält den Boom für besonders erfreulich, weil das wichtige Impulse für die Digitalisierung liefere. „Dieser Dynamik sollte die Bundesregierung weiter Rückenwind geben – die Fachkräfteeinwanderung muss beschleunigt und das Kapital privater institutioneller Investoren für Wagniskapital mobilisiert werden“, sagte er.