Düsseldorf: Wieder drei Millionen Arbeitslose

Düsseldorf : Wieder drei Millionen Arbeitslose

Das Weihnachtsgeschäft ist vorbei, die Witterungslage verschlechtert sich – und genau diese beiden Effekte haben nach Angaben von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dafür gesorgt, dass die Arbeitslosigkeit im Januar wieder über die Marke von drei Millionen gestiegen ist. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern mitteilte, waren 302 000 Menschen mehr arbeitslos als im Vormonat. Denn Handel und Baubranche haben im abgelaufenen Monat Mitarbeiter entlassen müssen.

Saisonale Effekte nennen Statistiker diese Entwicklung. Und tatsächlich ist der Anstieg kein Zeichen dafür, dass das deutsche Jobwunder vorüber ist: Unterm Strich stellte die BA den niedrigsten Januar-Stand seit 21 Jahren fest. Und so ging die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent zurück. Rechnet man die saisonalen Faktoren heraus, ging die Arbeitslosigkeit auch zum Dezember 2011 um 34 000 zurück.

Ein ähnliches Bild zeichnet die NRW-Regionaldirektion für den Arbeitsmarkt an Rhein und Ruhr: Die Arbeitslosigkeit stieg binnen Monatsfrist um 47 130 auf rund 734 000. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das aber immer noch einem Rückgang von rund 42 000 Personen.

"Es läuft derzeit rund am Arbeitsmarkt", urteilt deshalb auch Holger Sandte, Chefvolkswirt bei der WestLB Mellon, im Gespräch mit unserer Zeitung. Für die positive Entwicklung macht er neben dem bislang milden Winter auch demografische Effekte verantwortlich: "Monat für Monat scheiden aus Altersgründen ein paar Tausend Menschen aus der Arbeitswelt aus."

Für das gesamte laufende Jahr rechnet Sandte mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenquote, die nahe am derzeitige Wert liegen dürfte. Allerdings könnte sich nach Ansicht des Volkswirtes im laufenden Jahr die Schwäche der restlichen Länder des Euro-Raumes negativ auswirken. Deutschland exportiert vor allem in andere EU-Länder. Geht dort wegen der Schuldenkrise die Nachfrage zurück, kann dies langfristig auf den deutschen Arbeitsmarkt durchschlagen. "Vieles steht unter dem Vorbehalt der Schuldenkrise", sagt auch von der Leyen.

Im EU-Vergleich schneidet Deutschland positiv ab. "Der Riss innerhalb des europäischen Arbeitsmarktes wird immer größer", sagt Sandte. So ging nach Berechnungen der Internationalen Arbeitsorganisation, die ein anderes Berechnungsverfahren anwendet als die BA, die Arbeitslosigkeit zum Vormonat in Deutschland von 5,6 auf 5,5 zurück. Der EU-Durchschnitt liegt aber bei 10,7 Prozent, Spanien kommt sogar auf 22,9 Prozent.

(RP)
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