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Düsseldorf: Wie RWE der Nachtstromheizung eine zweite Chance gibt

Düsseldorf : Wie RWE der Nachtstromheizung eine zweite Chance gibt

Das Image von Nachtspeicherheizungen könnte besser sein: Die alte Technik ist untrennbar verbunden mit Meldungen über asbestverseuchte Geräte und dem Versuch der Atomlobby, vor Jahrzehnten billigen Nachtstrom unter die Leute zu bringen. Dennoch will RWE dieser Technik neues Leben einhauchen und auf den Umbau von alten Nachtspeicherheizungen setzen – nicht auf deren Neubau.

Der Energiekonzern will in einem Pilotprojekt mit 50 Haushalten in Essen festgestellt haben, dass Überschüsse im Stromnetz durch den intelligent gesteuerten Verbrauch von Nachtspeicherheizungen abgefangen werden könnten. Solche Überschüsse entstehen schnell: Wenn Wind und Sonne die Stromproduktion von Windrädern und Photovoltaikanlagen antreiben, ist das Angebot nicht selten größer als die Nachfrage der Verbraucher. Der Anteil erneuerbarer Energiequellen im Strommix lässt das Gesamt-Stromangebot stärker schwanken.

RWE will ab 2014 mit seinem Konzept der "Windheizung" Kunden mit Nachtspeicherheizungen einen kleinen Computer für die Heizkörper anbieten, der kontinuierlich die Auslastung des Stromnetzes und die Preise prüfen soll. "Das Prinzip ist einfach: Wir laden die Heizungen dann nur noch zur Hälfte auf. Die anderen 50 Prozent kommen vom Stromüberschuss aus erneuerbaren Energiequellen", sagt Jörg Rummeni, Projektleiter der "Windheizung". Voraussetzung sei jedoch, dass sich der Aufwand für RWE und die Kunden wirtschaftlich rechne.

Bei Verbraucherschützern stößt er mit dem Vorhaben auf Skepsis. "Die 'Windheizungen' von RWE sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Werbegag: Zombie-Technik mit grünem Anstrich", sagt Peter Blenkers, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW, und fügt hinzu: "Den ökologischen Vorteil zu beweisen, den die neue Technik gegenüber anderen Heizungssystemen liefern soll, bleibt RWE noch schuldig." Auch wenn der Verbrauch der Geräte intelligent gesteuert werden könne, bleibe die Heiztechnik mit Speicher-Steinen ineffizient und teuer, sagt der Experte. Derzeit kostet Wärmestrom nach seinen Angaben rund 18 Cent pro Kilowattstunde, Heizöl rund 9 Cent und Gas etwa 7 Cent.

Bleibt es bei der aktuellen Gesetzeslage, sollen ab 2019 in Häusern mit mehr als fünf Wohneinheiten die alten Nachtspeicherheizungen ausgebaut werden. RWE wünscht sich nun eine Überprüfung dieses Vorhabens – es würde das Projekt "Windheizung" torpedieren. Und tatsächlich heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium: Die Abstimmung der Ministerien darüber sei noch nicht abgeschlossen, die Regelung werde überprüft.

(RP)