Köln: Wie die Bahn grüner werden will

Köln: Wie die Bahn grüner werden will

Zeitraffer: Hier entsteht das erste klimaneutrale ICE-Werk

In Köln eröffnet der Konzern ein klimafreundliches ICE-Instandhaltungswerk. Auch bei der Energieversorgung will er nachhaltiger zu werden.

Der schwere Winter 2009/10 hat die Bahn das Fürchten gelehrt. Die schwierigen Witterungsverhältnisse sorgten dafür, dass auf einen Schlag 100 Züge ausfielen. Die Instandhaltungswerke kamen einfach nicht hinterher. Über Wochen kam es zu Zugausfällen und Verspätungen. Der Ärger der Kunden kannte kaum Grenzen. Die Bahn ging in Sack und Asche, versuchte den Imageschaden zumindest mit Hilfe von Reisegutscheinen für die Dauerkartenbesitzer in Grenzen zu halten. Eine Folge dieses harten Winters ist nun in einem schmucklosen Industriegebiet in Köln-Nippes zu besichtigen: Dort hat die Bahn ein modernes ICE-Werk aus dem Boden gestampft. Nach Konzern-Angaben "das modernste in Europa": In dem 23 Hektar großen Komplex - das entspricht 32 Fußballfeldern - werden künftig alle ICE-Modelle gewartet. Auch die jüngste Baureihe, der ICE 4, die mit der Aufnahme des Winterfahrplans Schritt für Schritt in die Flotte aufgenommen werden, kommen zur Abnahme vom Siemens-Werk in Krefeld nach Köln.

Besonders stolz sind sie bei der Bahn darauf, dass das Werk "komplett CO2-frei" betrieben wird: Photovoltaik-Zellen auf dem Dach, die 300 Megawattstunden Strom liefern, Trinkwasser, das per Solarthermie erhitzt wird, eine Heizung und Klimatechnik, die mit Hilfe einer Warmwasserader betrieben wird, auf die die Bahn zufällig während der Bauarbeiten stieß.

Solche Prestigeprojekte dürfen nicht überdecken, dass der Konzern in Sachen Energie noch einigen Handlungsbedarf hat. Umweltorganisationen wie Greenpeace setzen der Bahn gerne zu, weil bis heute ein Gros des Stroms mit fossiler Energie oder Atomkraft gedeckt wird. 30 Prozent des Bahnstroms entfallen auf die Steinkohle, 6,1 Prozent auf die Braunkohle, sechs Prozent auf Erdgas, 15,8 Prozent stammten aus Atomkraftwerken und 42 Prozent sind erneuerbare Energien.

Die Bahn hat sich langfristig extrem ehrgeizige Klima-Ziele gesetzt: Bis 2030 soll der Ausstoß der Klimagase halbiert werden. Dazu will sie einerseits den Ökostrom-Anteil in den kommenden zwölf Jahren auf 70 Prozent ausbauen. Zudem soll die Dieselfahrzeugflotte schon in den kommenden beiden Jahren modernisiert werden und so der Schadstoffausstoß bis 2020 um 55 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 gesenkt werden. Bis 2050 will der Konzern weltweit dann komplett CO2-frei unterwegs sein.

(maxi)