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Heimlicher Telefonmitschnitt: Wie Banker ihre Retter verhöhnten

Heimlicher Telefonmitschnitt : Wie Banker ihre Retter verhöhnten

Sie sangen "Deutschland, Deutschland uber alles" und zogen sich die Beträge für ihre Rettung "einfach aus dem Arsch." Fünf Jahre danach kommt durch einen heimlichen Telefonmitschnitt ans Licht, wie die Banker der Irish Anglo Bank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wirklich dachten. Die Empörung ist groß, auch deutsche Politiker sind entsetzt. Das irische Parlament will den Fall wieder aufrollen.

Erst in der Nacht auf Donnerstag haben sich die Spitzen der Europäischen Union darauf verständigt, dass marode Banken nicht mehr allein durch den Steuerzahler zu retten sind. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie dringend die Änderung der Regeln zur Bankeninsolvenz sind, dann lieferte diesen Mitte der Woche der "Irish Independent." Auf seinen Internetseiten kann man sich nun die Gespräche anhören, der Text wird dazu transkiribiert (siehe Foto oben).

Mitte der Woche veröffentlichte sie auf ihrer Website Mitschnitte von Telefonaten von Bankern der pleite gegangenen irischen Anglo Irish Bank. Was Bank-Chef David Drumm und sein Spitzenmanager John Bowe darin vom Stapel lassen, übersteigt die schlimmsten Vorurteile, die seit der Finanzkrise über den Zynismus der Banker im Umlauf sind. Auf zynische Art und Weise betrogen sie dem Gespräch zufolge die irische Zentralbank nach Strich und Faden. Zudem machten sie in dumm-dreister Manier Witze über deutsche Kreditgeber.

Witze auf dem Höhepunkt der Krise

Zeitpunkt des Telefonats: Der Herbst 2008. Wenige Tage zuvor ist die Investmentbank Lehman pleite gegangen. Das gesamte Finanzsystem steht am Abgrund, weil faule Kredite und Luftbuchungen platzen. In Europa und Amerika bemühen sich die Regierungen händeringend, den Total-Crash zu verhindern.

Auch in Irland. Dort steht unter anderem die Anglo Irish Bank im Fokus. Auch sie wird mit Überbrückungskrediten künstlich am Leben erhalten. Und die Banker? Feixten sich eins in der Gewissheit, vom Staat gerettet zu werden, wie nun die Mitschnitte der Gespräche auf Führungsebene zeigen.

Von Betrug ist die Rede

Der Zentralbank habe Anglo Irish gemeldet, man benötige einen Überbrückungskredit von 7 Milliarden Euro, um die Pleite abzuwenden. Alles frei erfunden. Die Summer habe er sich "aus dem Arsch gezogen", sagte John Bowe, Leiter des Kapitalmarktgeschäfts. Tatsächlich brauche Anglo Irish mehr Geld. Als es darum geht, dass Anglo Irish versprochen habe, das Geld zurückzuzahlen, bricht er in Gelächter aus. "Ich muss mir gleich die Unterwäsche wechseln", feixt er.

Es werde deutlich, dass irische Top-Banker damals zum Ausmaß eines nötigen Überbrückungskredits zur Rettung der maroden Bank gelogen hätten, kommentierte der Irish Independent. Die Banker hätten gewusst, dass weit mehr als die von den Iren angeforderten 7 Milliarden Euro nötig gewesen seien.

"Another day, another billion"

Für deutsche Großinvestoren haben die Topleute von Anglo Irish nur Spott übrig. Die zahlen weiter, weil die irische Regierung mit einer Garantieerklärung das Überleben der Banken sichergestellt hat. "Deutschland, Deutschland über alles" singt Bowe. "Ihr nutzt die Garantie aus, das ist echt zum Lachen", höhnt Bank-Chef Drumm am anderen Ende der Leitung. An anderer Stelle beschimpfen sie die Anleger als "Scheißdeutsche."

In einem Ausschnitt ruft der ehemalige Bankchef David Drumm seine Mitstreiter dazu auf, "einfach das Geld einzutreiben" oder sagt lapidar: "ein neuer Tag, eine weitere Milliarde". An anderer Stelle lacht der Bankenchef, während ein Mitarbeiter "Deutschland, Deutschland über alles" singt - ein Hinweis auf zu erwartendes Kapital deutscher Großinvestoren.

Politiker erkennen Arroganz und Überheblichkeit

Die Empörung in Irland ist groß. Politiker fordern, die Abwicklung der Anglo Irish Bank erneut parlamentarisch zu untersuchen. Rund 30 Milliarden Euro waren an Rettungsgeldern in das Institut geflossen, bis es endgültig abgewickelt wurde.

Die Enthüllungen des "Irish Independent" seien "wirklich schockierend", sagte der stellvertretende Ministerpräsident Eamon Gilmore. Sie verdeutlichten Arroganz, Überheblichkeit und Desinteresse an den Belangen der Steuerzahler und des irischen Volkes. Er versprach, schnell nötige Rahmenbedingen für eine parlamentarische Aufarbeitung zu schaffen. Eine Untersuchung wird für den Herbst erwartet, über die Modalitäten und Zuständigkeiten des Untersuchungsausschusses wird noch gestritten.

CDU-Vize verärgert

Am Donnerstag titelten irische Medien mit einer Stellungnahme von CDU-Fraktionsvize Michael Fuchs. Der deutsche Politiker bezeichnete die Vorgänge gegenüber dem irischen Sender RTE als beleidigend und unerträglich. "Man sollte nicht die Hand beißen, die einen füttert", wird Fuchs zitiert. Die Sprache der irischen Banker bewertet Fuchs demnach als "wirklich gefährlich". Fuchs verwies auf die Mühen der Politik, die Steuerzahler von der Notwendigkeit deutscher Milliarden-Hilfen für notleidende Länder wie Irland zu überzeugen.

Die Finanzkrise hatte Irland besonders hart getroffen - der extrem aufgeblähte Bankensektor geriet nach dem Platzen einer Immobilienblase 2008 in Schieflage. Wegen seines maroden Bankensystems war das hoch verschuldete Irland als erstes Land unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft.

Das ehemalige Boom-Land der Euro-Zone wurde damit zum Bittsteller in Brüssel und Washington. Ende 2010 bewahrten die Europäische Union (EU) und der Internationale Währungsfonds (IWF) Irland mit 85 Milliarden Euro von der Pleite. Der daraus verbundene Sparkurs des Landes zwang vielen der 4,6 Millionen Iren Gehaltskürzungen und Steuererhöhungen auf.

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(pst)