Düsseldorf: WestLB – die Interessenten

Düsseldorf : WestLB – die Interessenten

Bis in die Nacht beriet gestern erneut der Lenkungsausschuss – aber die Zukunft der Bank bleibt ungewiss. Drei Finanzinvestoren und eine chinesische Bank prüfen den Kauf – aber keiner will die komplette WestLB übernehmen.

Ludwig van Beethoven hat nur eine Oper geschrieben – die aber immerhin mit "Happy End": Im Schlussakt rettet Fidelio einem Häftling das Leben.

Als der WestLB-Verkaufsbeauftragte Friedrich Merz (CDU) vor ein paar Monaten bei Morgan Stanley anklopfte, weil er Hilfe bei seiner Suche nach Interessenten für die todkranke Landesbank brauchte, tauften die US-Investmentbanker ihr neues Projekt "Fidelio". Auf den ersten Blick auch mit einem "fidelen" Ergebnis: Vier Interessenten prüfen zur Stunde die Verkaufsunterlagen und wollen bis zum 11. Februar ein konkretes Angebot für die WestLB unterbreiten. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" von gestern handelt es sich dabei um die staatliche China Development Bank sowie die Finanzinvestoren Blackstone, Apollo und J. C. Flowers. Im Raum steht angeblich ein Transaktionsvolumen von 13 Milliarden US-Dollar (knapp zehn Milliarden Euro) – was nach einem guten Ende für die WestLB und den Steuerzahler klingt, der für die Risiko-Milliarden der WestLB bürgt.

Aber "fidel" ist die Situation eben nur auf den ersten Blick. Sonst hätte der mächtige Lenkungsausschuss der WestLB nicht auch gestern wieder bis in die Nacht über die Zukunft der WestLB streiten müssen. Nach Informationen unserer Zeitung aus dem Umfeld der Teilnehmer ist nämlich noch keiner der Interessenten bereit, die Bank als Ganzes zu übernehmen. Interesse an der profitablen Immobilienfinanzierungs-Tochter WestImmo haben dem Vernehmen nach alle vier. Auch andere Teile der WestLB wie das im Ausland weit verzweigte Firmenkundengeschäft stoßen auf vertieftes Interesse. Das aber wirft umgekehrt die Frage auf, was im Verkaufsfall mit der "RestLB" geschehen soll – also mit den Teilen der Bank, die offensichtlich niemand haben will.

Außerdem sollen die Interessenten sich teilweise unklar dazu verhalten haben, welche Verantwortung sie für die bereits ausgelagerten und möglicherweise demnächst zur Auslagerung anstehende Risiko-Papiere der Bank übernehmen wollen: Die WestLB hat bereits so genannte toxische Papiere mit einem nominalen Wert von 77 Milliarden Euro in eine "Bad Bank" verschoben, für die jetzt der Steuerzahler und die Sparkassen haften.

Das fröhliche Ungefähr kann man den Interessenten allerdings kaum verübeln: Schließlich halten sich auch die Verkäufer bei ihren Angaben sowohl über die weiteren Schritte im Verkaufsprozess als auch bei den Details zur Haftung für alte und neue WestLB-Risiken sehr zurück. So heißt es in den Verkaufsunterlagen an einer Stelle: "Die möglichen Käufer werden über die nächsten Schritte im Bieterprozess und die Frist für verbindliche Angebote erst nach einer Einigung zwischen der deutschen Regierung, den Anteilseignern der Bank, der WestLB und der Europäischen Kommission informiert".

Während Interessenten und Verkäufer also offenbar immer noch um ein Gebirge von ausgeklammerten Fragen tanzen und von konkreten Verhandlungen weit entfernt sind, läuft in Brüssel die Frist ab: Bis zum 15. Februar will EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia eine WestLB-Lösung vorliegen haben. Sonst muss die Bank über drei Milliarden Euro an Rettungshilfen zurückzahlen, was sie nicht überlebt. Im Gespräch ist nun, die besonders gut verkäuflichen Teile der WestLB abzugeben. Andere Teile könnten die Sparkassen übernehmen. Die "RestLB" dürfte dann an die "Bad Bank" abgegeben werden – also wieder einmal dem Steuerzahler aufgehalst werden.

Die Situation ist verfahren, zu viele Köche rühren im Brei. "Die Interessen zwischen Bund, Land und Sparkassen gehen viel zu weit auseinander, als dass man gegenüber Brüssel geschlossen auftreten könnte", hieß es gestern im Umfeld des Lenkungsausschusses. Für die knapp 5000 Mitarbeiter der WestLB ist das kein gutes Signal.

(RP)
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