Wenning soll Bayer-Aufsichtsrat führen

Wenning soll Bayer-Aufsichtsrat führen

Leverkusen/Essen Deutschlands mächtigster Kontrolleur ordnet sein Erbe: Manfred Schneider, Aufsichtsrats-Chef von drei Dax-Konzernen, will sein Amt bei der Bayer AG im Oktober an Werner Wenning abgeben, der ihm 2002 schon als Bayer-Chef gefolgt war. Die Wahl des 65-Jährigen in den Aufsichtsrat sollen die Aktionäre auf der Hauptversammlung im April beschließen, so das "Handelsblatt". Eine solche Wahl auf Vorrat hat es bei Dax-Konzernen bisher nicht gegeben.

Das Problem: Wenning war bis September 2010 Chef von Bayer. Er hatte zwar stets Interesse an einem Aufsichtsrats-Posten bekundet. Doch das Aktiengesetz verbietet es, unmittelbar vom Vorstand in das Kontrollgremium zu wechseln. Es verlangt eine zweijährige "Abkühlungs-Periode". Damit soll verhindert werden, dass Ex-Vorstände die Aufdeckung eigener Fehler vereiteln. Diese Abkühlungsperiode ist für Wenning im Herbst beendet. Um die Wahl auf Vorrat abzusichern, hat Schneider ein Gutachten in Auftrag gegeben. Widerstand wird nicht erwartet: Wenning, der einst als Lehrling bei Bayer angefangen hatte und bis zum Chef aufgestiegen war, genießt auf allen Seiten einen guten Ruf. Für Bayer-Chef Marijn Dekkers dürfte es unter dem künftig neuen Mann schwieriger werden: Wenning war es stets wichtig, die Arbeitnehmer auch bei harten Schritten mitzunehmen.

Als kleine Entschädigung für den Verzicht auf den Aufsichtsratsposten soll Fußball-Fan Schneider von Wenning den Vorsitz im Gesellschafterausschuss der Werks-Elf Bayer Leverkusen übernehmen. Der Konzern wollte sich zu den Plänen nicht äußern.

Wenn Schneider das Ruder in Leverkusen endgültig abgibt, bleibt ihm weiter genug zu tun: Er führt parallel die Aufsichtsräte des Energieversorgers RWE und des Gasherstellers Linde – und will das weiterhin tun. "Manfred Schneider ist bis 2016 gewählt", betonte ein RWE-Sprecher.

Eigentlich habe der 73-Jährige aus dem RWE-Aufsichtsrat aussteigen wollen und habe vor Monaten bereits Paul Achleitner gefragt, ob dieser ihm nicht nachfolgen wolle, heißt es in Aufsichtsrats-Kreisen. Achleitner ist bereits Aufsichtsrat bei RWE und hat bei der Kür des neuen Vorstandschefs Peter Terium eine große Rolle gespielt. Doch nachdem Achleitner zum Aufsichtsrats-Chef der Deutschen Bank gekürt worden war, soll er abgewunken haben: Zwei schwierige Aufsichtsräte zu leiten? Vorerst lieber nicht. RWE ist heilfroh, dass Schneider bleibt. Denn eine Alternative ist nicht in Sicht. Von den prominenten Aufsichtsräten kommt keiner als Chef infrage: Wolfgang Schüssel ist als Exkanzler von Österreich zu politisch, Ex-ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz hat mehrfach abgesagt und Dieter Zetsche ist bei Daimler im Geschirr.

(RP)
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