Bankenangebote in der Region Wie man ein günstiges Girokonto findet

Düsseldorf · Das Giro-Konto ist das weitestverbreitete Kontomodell in Deutschland. Die Kosten allein sind nicht der entscheidende Aspekt bei der Auswahl, wichtig sind auch Inklusivleistungen des Anbieters. Was ein Finanzexperte rät.

Bietet auch noch ein günstiges Giro-Kont an: Die Stadtsparkasse Düsseldorf (unter fünf Euro im Monat). Andere Banken knüpfen Bedingungen an günstige Kontoführung.

Bietet auch noch ein günstiges Giro-Kont an: Die Stadtsparkasse Düsseldorf (unter fünf Euro im Monat). Andere Banken knüpfen Bedingungen an günstige Kontoführung.

Foto: Bußkamp, Thomas (tbu)

Als Geldanlage taugt das Giro-Konto wahrlich nicht, angesichts in der Regel fehlender Verzinsung des Guthabens – daran hat auch die aktuelle Zinswende noch nichts geändert. In unserer Abfrage nach dem günstigsten Kontoangebot bei regionalen und überregionalen Banken hat sich dies bestätigt: Zinsen gibt es nicht. Immerhin haben die meisten Banken seit der Zinswende das Verwahrentgelt, auch Negativzinsen genannt, eingestellt, der Kunde zahlt also immerhin nicht mehr auf sein Guthaben drauf.

„Guthabenverzinsung sollte nicht das Kriterium bei Girokonten sein“, sagt Heike Nicodemus von der Stiftung Warentest. Bei Tagesgeld- und Festgeldkonten als sichereren Geldanlagen sei bei den Zinsen schon mehr Bewegung aktuell. Das Magazin Finanztest überprüfte kürzlich 165 deutsche Finanzinstitute auf ihre günstigsten Giro-Angebote, darunter nicht nur überregionale sondern auch Dutzende regionale Sparkassen und Volksbanken. Die im Test abgebildeten Banken decken knapp 70 Prozent der Bilanzsumme aller deutschen Banken, so Nicodemus. Fazit des Tests: Günstige Girokonten gibt es noch eine Menge, aber nur zwölf Angebote kommen kostenfrei und ohne Bedingungen. Eine Kontoführung für 60 Euro jährlich hielten die Tester für akzeptabel, darüber rieten sie Kunden zum Wechsel.

Welche Bank im erweiterten RP-Verbreitungsgebiet kann das so beliebte Konto aber noch kostenlos oder zumindest sehr günstig anbieten? Was sollte man beachten bei der Auswahl und ist die Eröffnung eines Giro-Kontos überhaupt noch ratsam? Meist kostenlose Konten für Schüler und andere junge Leute wurden in der Abfrage ausgenommen.

Das günstigste Giro-Konto ist gar nicht so leicht festzustellen, denn nicht unbedingt ist jenes mit den niedrigsten monatlichen Führungskosten das günstigste. Je nach Nutzungsart kann etwa einer höherer Dispozins bei Kontoüberziehung mehr Kosten verursachen für den Kunden als die eigentlichen Führungsgebühren. „Da wir unsere Leistungen rund um das Girokonto leistungsabhängig differenziert bepreisen, gibt es das „günstigste Konto“ nicht. Diese Betrachtung kann nur unter einem vorher definierten Nutzungsverhalten vorgenommen werden“, sagt etwa ein Sprecher der Sparkasse Mönchengladbach. Unsere Auflistung orientiert sich also der Einfachheit halber an den fixen monatlichen Gebühren.

Die zwölf von unserer Redaktion angefragten Institute meldeten uns monatliche Kosten ihrer günstigsten Angebote zwischen 0 und 6,90 Euro. Wirklich bedingungslos kostenfrei ist nur das Girokonto der DKB. Einige Banken bieten eine kostenfreie Kontoführung nur unter Bedingungen, meist die eines Mindestgehaltseingangs an, etwa Commerzbank, ING, Targobank und die Bonner Postbank. Ist diese Bedingung nicht erfüllt, fallen Gebühren an, die teils sogar über jenen bei kostenpflichtigen Konten liegen. Günstige Angebote macht auch die Volksbank (VB) Düsseldorf Neuss (mit Bedingung) sowie die Aachener Bank und Sparkasse Mönchengladbach (ohne Bedingung). Ein auf den ersten Blick günstiges Konto (Giro Privat bei der Sparkasse KölnBonn) mit fünf Euro monatlichen Kosten kann mit der Bedingung von Kosten von 40 Cent pro Zahlung/Buchung bei Vielnutzung doch teurer sein als ein teueres Angebot, das aber Leistungen inklusiv macht.

Günstige Konten sind manchmal auch an die Einschränkung der reinen Online-Nutzung geknüpft, etwa bei der Volksbank im Bergischen Land. Hier zahlt am wenigsten, wer nur Online-Banking macht, für Bewegungen in der Filiale fallen pro Posten zwei Euro Gebühr zusätzlich an. Die Möglichkeit der Überziehung wird bei den Banken unseres Testes mit Dispo-Zinsen zwischen 6,99 und 11,79 Prozent versehen, hier ist also Vorsicht geboten.

Das günstigste ist nicht immer das gängigste oder meistgenutzte Kontomodell. Auf Anfrage machen einige Banken keine Angaben zum beliebtesten Modell, eine Ausnahme davon ist die Commerzbank, deren gängigstes Modell aber dem günstigsten entspricht. Auch die Sparkassen Düsseldorf, Neuss und Mönchengladbach, die VB Düsseldorf Neuss und die Postbank melden ihre populärsten Giro-Konten, die zwar leicht teurer sind, aber stets mehr Inklusivleistungen bei Zahltransaktionen bieten oder keine Bedingungen wie Mindestgeldeingang erfordern.

Warum ein Giro-Konto heutzutage immer noch Sinn macht, fasst David Riechmann, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale NRW zusammen: „Das Girokonto dient zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Es erlaubt Zahlungseingänge wie Rente oder Gehalt und Zahlungsausgänge. Dadurch ermöglicht es die Teilnahme am Alltag, etwa durch Bargeldversorgung in Filiale oder am Automaten, oder auch den Karteneinsatz beim Bezahlen.“ Und er rät Kunden, worauf sie bei der Wahl des für sie richtigen Kontos achten sollen, die immer von der jeweiligen Lebenssituation abhängt. "Für manche mag die Filiale vor Ort wichtig sein, gerade wenn sie kein Online-Banking machen möchten und den persönlichen Kontakt bevorzugen. Für andere kann bereits eine intuitive Banking-App entscheidend sein“, sagt Riechmann.

Auch Kosten würden eine wichtige Rolle spielen. „Meist kostet ein Konto bei einer Filialbank mehr, dafür kann man auch den Service vor Ort nutzen. Dazu kommen noch andere Faktoren wie zum Beispiel welche Karten man gestellt bekommt oder die Geldautomatendichte. Auch die verfügbaren TAN-Verfahren (SMS, Push, App, Chip) können entscheidend sein, da man dafür immer regelmäßiger neuere Geräte wie Smartphone oder Tablet braucht."

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