Frankfurt: Weiterer Skandal: Verdacht auf Devisen-Kartell

Frankfurt : Weiterer Skandal: Verdacht auf Devisen-Kartell

Mehrere weltweit operierende Banken sollen die Festsetzung von Währungskursen manipuliert haben. Die Aufsichtsbehörden gehen seit Frühjahr diesem Verdacht in verschiedenen Ländern nach. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat aber keine Anhaltspunkte dafür, dass deutsche Banken an diesen möglichen Manipulationen beteiligt gewesen sein könnten.

Die Aufsichtsbehörde ermittelt schon seit dem Sommer. Das hatte die Deutsche Bank in ihrem Zwischenbericht für das dritte Quartal bestätigt. Darin heißt es: "Die Deutsche Bank hat Auskunftsersuchen von bestimmten Aufsichtsbehörden, die den Handel im Devisenmarkt untersuchen, erhalten. Die Bank unterstützt diese Untersuchungen, die sich jeweils in einem frühen Stadium befinden."

Auch wenn es keinen Verdacht gegen die Deutsche Bank gibt, hat das Institut ebenso wie die amerikanische Citibank, die britische Barclays und die Schweizer UBS ihren Händlern Internet-Chats verboten. Denn in diesen Chaträumen könnten Absprachen zur Kursmanipulation getroffen worden sein. Das hatte sich bei den Manipulationen der Referenzzinssätze gezeigt.

Der Devisenmarkt ist riesig. Gut fünf Billionen Dollar werden jeden Tag umgeschlagen. Der Kurs bildet sich am Markt. Einmal täglich um 16 Uhr wird in London in einer sogenannten Fixing Minute ein Referenzkurs festgesetzt. Dabei werden Daten zu Handelsgeschäften und Kundenaufträgen gesammelt, und es wird ein Mittelwert errechnet. Diesen Referenzkurs nutzen einige Unternehmen, die ihre Geschäfte zu einem festen Kurs abrechnen wollen. Er dient aber auch als Grundlage für die Errechnung vieler Aktien- und Rentenindizes.

Diese sogenannten Spotkurse zu manipulieren, könnte denjenigen Gewinn einbringen, die zuvor am Terminmarkt auf eine bestimmte Kursentwicklung gewettet haben. Dazu sei eine große Marktmacht nötig, erklärt Martin Hellmich, Finanzprofessor der Frankfurt School of Finance and Management. Dann könnte man die Kurse in die gewünschte Richtung steuern. Zwar gibt es nur einen Verdacht gegen Banken, doch könnte man im Zusammenhang mit den Zinsmanipulationen eine Systematik vermuten.

(bsc)
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