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Studie zu armen Familien in Großstädten: Wegen hoher Miete unter Hartz-IV-Niveau

Studie zu armen Familien in Großstädten : Wegen hoher Miete unter Hartz-IV-Niveau

Zunehmende Wohnungsknappheit, steigende Mietpreise – die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt ist längst zum Wahlkampfthema geworden. Nun zeigt eine aktuelle Studie ein neues Problem in diesem Zusammenhang auf. Demnach landen einkommensschwache Familien in vielen deutschen Großstädten wegen der Mietkosten unter Hartz-IV-Niveau.

Zunehmende Wohnungsknappheit, steigende Mietpreise — die Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt ist längst zum Wahlkampfthema geworden. Nun zeigt eine aktuelle Studie ein neues Problem in diesem Zusammenhang auf. Demnach landen einkommensschwache Familien in vielen deutschen Großstädten wegen der Mietkosten unter Hartz-IV-Niveau.

Die CSU will die Eigenheimzulage wiederbeleben, die CDU will eine Mietpreisbremse, die die FDP aber ablehnt, und die SPD verspricht, mit ihr gebe es maximal zehn Prozent Mietpreiserhöhung bei Neuvermietungen. Ganz klar: Das Thema Wohnungsknappheit spielt auch im Wahlkampf inzwischen eine große Rolle. Gerade in beliebten Großstädten wie München, Frankfurt oder auch Düsseldorf sucht manche Familie lange nach bezahlbarem Wohnraum, andere Städte dagegen haben mit Wohnungsleerstand zu kämpfen.

Nun schlägt die Bertelsmann-Stiftung auch in anderer Hinsicht Alarm. Nach einer aktuellen Studie, die am Montag vorgestellt wurde, haben einkommensschwache Familien wegen der hohen Mietkosten in 60 der 1000 größten deutschen Städte weniger Geld zur Verfügung als den Hartz-IV-Regelsatz von 1169 Euro im Monat. Berechnet wurde dies für eine vierköpfige Familie, die weniger als 60 Prozent des regionalen Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat.

Massive regionale Unterschiede

So hat etwa eine Familie in Jena nach Abzug der Miete gerade einmal 666 Euro im Monat zur Verfügung. Damit würde das verfügbare Einkommen dieser Familie 43 Prozent unter dem Niveau der Grundsicherung liegen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Studie auch in Städten wie Frankfurt/Main, Freiburg und Regensburg, wo einkommensschwache Familien durchschnittlich 37, 33 und 26 Prozent unter dem Hartz-IV-Niveau liegen.

Das Fazit der Studienmacher: Das Armutsrisiko insbesondere für Kinder wird durch die Mietpreise erhöht. "Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht geraten in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt unter Druck", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung. Er fordert: "Armut muss in Deutschland stärker regional erfasst und bekämpft werden."

Denn während es Familien in beliebten Städten schwer haben, günstigen Wohnraum zu finden, sieht es in Städten wie Heilbronn viel besser aus. Da der Wohnungsmarkt dort entspannter ist und auch das Durchschnittseinkommen relativ hoch liegt, hätte die Muster-Familie durchschnittlich 1941 Euro zur Verfügung. Damit liege sie sogar 66 Prozent über dem Hartz-IV-Niveau.

Ähnliche Ergebnisse vermelden die Studienmacher auch für Iserlohn, Witten und Bergisch-Gladbach. Dort liegt das Einkommen der Musterfamilie nach Abzug der Miete noch 53,48 und 45 Prozent über dem Grundsicherungsniveau.

Jeder zweite Euro für die Miete

Die massiven regionalen Unterschiede werden auch durch ein anderes Beispiel in der Studie deutlich gemacht — nämlich wie viel eine einkommensschwache Familie von ihrem Einkommen eigentlich für die Miete zurücklegen muss. So heißt es, dass in Städten wie Frankfurt/Main, Jena, Freiburg und München jeder zweite Euro für die Miete draufgeht, während einkommensschwache Familien in Witten und Iserlohn 80 Prozent des Einkommens für andere Dinge als für die Miete verwenden können.

Wollen diese Familien ihre Mietausgaben auf 30 Prozent des Einkommens beschränken, dann ist es in der einen oder anderen Stadt sogar fast unmöglich, überhaupt eine infrage kommende Wohnung zu finden. Laut Studie könnte sich die Muster-Familie etwa in Offenbach, Konstanz, Potsdam, Frankfurt/Main oder München gerade einmal jede hundertste Wohnung leisten. In Hildesheim oder Zwickau dagegen könnten sie mehr als 40 Prozent der zur Verfügung stehenden Wohnungen mieten.

Am Beispiel Essen haben die Studienmacher denn auch konkret gezeigt, was das für einkommensschwache Familien bei der Wohnungssuche heißt. Demnach ist dort jede fünfte Wohnung für solche Familien finanzierbar und sie müssten auch nicht viel weiter vom Zentrum entfernt wohnen als der Durchschnittsverdiener. Bezahlbaren Wohnraum würden alle Familien in einem Radius von vier Kilometern um die Stadtmitte finden, einkommensschwache Familien in einem Radius von fünf Kilometern. Damit steht Essen im Vergleich zu vielen anderen Städten allerdings gut da. Denn im Bundesdurchschnitt liegt der Radius für ärmere Familien bei acht Kilometer.

Hier geht es zur Infostrecke: Das kosten Mietwohnungen in Düsseldorf

(das)