Was Eltern bei Kinderschutz-Apps beachten sollten

Handy-Nutzung des Nachwuchses : Was Eltern bei Kinderschutz-Apps beachten sollten

Viele Eltern beschäftigt die Frage, wie sie die Handy-Nutzung ihrer Kinder überprüfen können, ohne dabei zu stark in deren Rechte einzugreifen. Bei vielen beliebt sind Kinderschutz-Apps. Doch unbedenklich sind sie nicht.

Sie heißen „Safe Kids“, FamilyTime – Kindersicherung“ oder „FamiSafe – Elternkontrolle“. All dies sind Namen von Kinderschutz-Apps, mit denen Eltern die Handy-Nutzung ihrer Kinder kontrollieren können. Damit sie funktionieren, müssen die sogenannten „Parental Control“-Apps sowohl auf dem Smartphone der Eltern als auch auf dem Handy der Kinder installiert sein. Auch die Hersteller Google (App: Family Link), Apple (iOS Parental Controls) und Amazon (Kindle Fire OS) bieten in ihren Systemen als Einstellung oder Zusatz-App entsprechende Funktionen zum Kinderschutz an.

Mit der App von Google können Eltern beispielsweise darüber entscheiden, wie lange ihre Kinder das Handy nutzen dürfen und nachverfolgen, wie und wie lange ihr Nachwuchs das Smartphone beziehungsweise die jeweilige App nutzt. Andere App-Anbieter konzentrieren sich auf die Standortkontrolle, damit Eltern auf ihrem Handy sehen können, wo sich ihr Kind gerade aufhält. Eltern können auch eine Alarmfunktion einstellen, wenn Kinder einen vorher abgesprochenen Bereich verlassen.

Möglich sind bei vielen Apps auch Inhaltssperren, wenn Eltern bestimmte Programme oder Internetseiten auf den Geräten ihrer Kinder sperren wollen. Und besonders weit gehen Programme, bei denen Eltern über das Mikrofon des Handys live mithören können, mit wem ihr Nachwuchs gerade spricht.

Doch Eltern sollten einige Dinge beachten, bevor sie sich die Kinder-Kontrollapps herunterladen. Vor allem gibt es datenschutzrechtliche Bedenken. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie Darmstadt haben 2018 19 beliebte Ortungs-Apps aus dem Google Play Store getestet. Das Ergebnis: Alle Apps hätten gravierende Schwachstellen offenbart, keine einzige sei sicher programmiert. Angreifer könnten diese Mängel schonungslos ausnutzen, um Bewegungsprofile zu erstellen, Chats und SMS-Nachrichten zu lesen und Bilder anzusehen.

Die Nutzung dieser Apps durch Eltern ist hingegen legal. Bezüglich der Ortungs-Apps gilt für sie zudem wohl das sogenannte „Haushaltsprivileg“ nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Folge: Das DSGVO-Datenschutzrecht ist nicht anzuwenden. „Aber auch Kinder haben ein Selbstbestimmungsrecht, das mit zunehmendem Alter im Verhältnis zum Sorgerecht der Eltern immer mehr Gewicht erhält“, sagt Daniel Strunk, Pressesprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW. Gewarnt sein sollten Eltern nach Angaben der Bundesnetzagentur auch vor sogenannten Smartwatches für Kinder, also Uhren mit integriertem Handy. Neben vielen zulässigen Funktionen, wie zum Beispiel der Ortungsfunktion, verfügen viele diese Uhren über eine Abhörfunktion – auch bezeichnet als „voice monitoring" oder „Babyphonefunktion“. Bei diesen Uhren können Eltern das Mikrofon über die zuvor in der App eingegebene Telefonnummer oder per SMS-Befehl aktivieren und die Umgebung und Gespräche des Uhrträger abhören, ohne dass dieser etwas davon mitbekommt. Doch Vorsicht ist geboten: Diese Uhren sind nach § 90 Telekommunikationsgsetz verboten, weil sie das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen von diesem unbemerkt abhören, warnt die Bundesnetzagentur.

Für Eltern bleibt mithin die schwierige Frage, wie sie die Handynutzung ihrer Kinder wirkungsvoll kontrollieren können, ohne dabei zu stark in deren Rechte einzugreifen.

„Eltern sollten eine sichere und verantwortungsvolle Mediennutzung mit ihren Kindern trainieren“, sagt Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW. „Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, Entscheidungen zu Handyzeiten oder die Frage, welche Spiele gespielt werden dürfen, mit Kindern zu diskutieren, damit sie Entscheidungen der Eltern verstehen und nachvollziehen können.“ Kinder lernten so, dass Regeln einen sinnhaften Hintergrund hätten und sich gleichzeitig ernst genommen fühlten. Zu viel Elternkontrolle, Panikmache oder ein einseitiger Blick auf mögliche Risiken sei jedenfalls auch beim Handy selten sinnvoll, warnt die Landesanstalt für Medien.

Fakt ist: Laut Angaben der Kinder-Medien-Studie 2018 besitzen 92 Prozent der 13-Jährigen ein Smartphone (73 Prozent bei den Zehnjährigen), 55 Prozent einen Computer und 26 Prozent ein Tablet. Und für fast 50 Prozent der Sechs- bis Neunjährigen ist ein Smartphone das Wunschobjekt Nummer eins. Für Eltern macht es das nicht unbedingt leichter.

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