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Düsseldorf: Was der WhatsApp-Verkauf für die Nutzer bedeutet

Düsseldorf : Was der WhatsApp-Verkauf für die Nutzer bedeutet

Bei RP Online ist der Verkauf des Nachrichtendienstes großes Thema. Ein Datenschützer ruft zum Boykott auf.

Selten hat Internetnutzer ein Milliardengeschäft mehr bewegt als der Verkauf des Messengers WhatsApp an den Wettbewerber Facebook. 14 Milliarden Euro erhält WhatsApp-Gründer Jan Koum (37) – indirekt gibt er die Ideale des Unternehmens auf. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu dem Geschäft und was es für Nutzer bedeutet – gestern meldeten sich weit mehr als 100 Fans der Facebook-Seite von RP Online mit Beiträgen zum Thema.

Philosophie Mit der Überschrift "Vom Rebellen zum Vasallen" bringt die "Süddeutsche Zeitung" die Konstellation auf den Punkt. WhatsApp hat sich immer gerühmt, die Daten der Nutzer nicht auszuwerten, weil man keine Werbung schalten wolle. Jetzt gehört WhatsApp dem datenhungrigsten Konzern der Welt.

Das Hauptproblem WhatsApp kopiert alle Kontakte von Smartphones auf seine Rechner in den USA. Damit wird künftig möglich sein, dass Facebook diese ebenfalls nutzt – obwohl solche Pläne bisher abgestritten werden. Wer bei WhatsApp komplett aussteigen möchte, muss erst unter "Account" sein Konto löschen, dann die App entfernen. Ob die Daten des Nutzers sowie dessen Kontakte dann bei WhatsApp aber auch gelöscht werden, ist fraglich.

Rat der Datenschützer Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, empfiehlt einen Boykott: "Ich warne davor, die beiden Dienste zu nutzen und empfehle, deutsche oder sonstige europäische Angebote zu verwenden." Er geht davon aus, dass Facebook WhatsApp-Daten kommerziell nutzen möchte.

Alternative Eine andere Messenger-App erfährt gewaltigen Zulauf. Die App "Threema", deren Server in der Schweiz stehen, verdoppelte Medienberichten zufolge ihre Nutzerzahl in nur 24 Stunden auf über 400 000. Nach Unternehmensangaben kämen etwa 80 Prozent davon aus Deutschland. "Threema" verwendet eine Verschlüsselung, bei der die Nachricht unterwegs, also auch auf den Firmenrechnern, nicht lesbar ist, sondern erst beim Empfänger wieder entschlüsselt wird. Allerdings greift das Programm wie "WhatsApp" auf die gespeicherten Kontakte zu. Ob diese ebenfalls auf die Firmenrechner kopiert werden, ist ungewiss. "Threema" verheimlicht nämlich seine genaue Funktionsweise.

Strategie Der extrem teure Kauf von WhatsApp bestätigt, dass in der Intetnetwelt vorrangig der Zugang zu Kunden entscheidet – wie er auf Dauer zu Geld gemacht wird, ist zweitrangig.

(RP)