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Düsseldorf: Was Anleger wissen müssen

Düsseldorf : Was Anleger wissen müssen

Die Börsen kennen derzeit nur eine Richtung: bergab. Der Dax fiel gestern morgen zunächst um vier Prozent. Händler sprechen von Panikverkäufen.

Warum fällt der Dax immer weiter? Die Schuldenkrise in Europa und den USA verunsichert die Anleger. Sie fürchten sich vor einer erneuten Rezession. Zudem haben viele Anleger wegen ihres Urlaubs Stop-Loss-Limits eingezogen. Das heißt: Werden bestimmte Kursschwellen unterschritten, werden ihre Aktien automatisch verkauft.

Sollte ich mich jetzt auch von meinen Aktien trennen? Anleger sollten sich von der Panik nicht anstecken lassen. Der Dax hat seit vergangenen Mittwoch bereits mehr als 1100 Punkte verloren. "Auf diesem Niveau sollten Aktionäre nicht mehr verkaufen", sagt Christian Kahler, Chefstratege der DZ Bank. Denn die Experten rechnen damit, dass es an den Börsen langfristig wieder bergauf geht: Die Dax-Prognose der DZ Bank liegt bei 7900 Punkten zum Jahresende, die DekaBank rechnet mit 6800 bis 7000 Punkten.

Sollte ich nun Aktien kaufen? Wer nach günstigen Einstiegschancen sucht, hat jetzt Kaufgelegenheiten. "Wenn sich die Anzeichen der Panik nicht bestätigen, können Anleger ihr Aktienportfolio langsam aufbauen", sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Allerdings sollte das Investment immer breit gestreut werden, über verschiedene Branchen und verschiedene Länder. "Zudem sollte man nicht sein gesamtes Vermögen nur in Aktien anlegen", rät Kater.

Welche Aktien sollte ich kaufen? "Anleger sollten nun in die Unternehmen investieren, die nach dem Kurssturz deutlich unterbewertet sind", sagt Jens Wilhelm, Vorstand von Union Investment, "diese finden sich beispielsweise im Bereich der Investitionsgüter." Wer eine sichere Rendite sucht, sollte zu Telekomaktien wie Deutsche Telekom oder France Telekom greifen, rät Chris-Oliver Schickentanz, Chef-Anlagestratege der Commerzbank.

Was ist mit Versorgeraktien? Entgegen ihrem früheren Ruf sind die Papiere von RWE, Eon und Co. wegen der Energiewende heute keine "Witwen- und Waisen-Papiere" mehr. "Anleger sollten sich hier zurückhalten", sagt Schickentanz.

Sollte ich in Gold flüchten? Gold bietet grundsätzlich Schutz vor Inflation. Der Preis des Edelmetalls liegt aber inzwischen so hoch, dass kurzfristige Einbrüche möglich sind. "Wenn überhaupt, sollten Anleger jetzt nur mit kleinen Positionen in Gold einsteigen", sagt Kater.

Bieten Fremdwährungen Sicherheit? "Wer in Schweden, Norwegen, China oder Australien investiert, schützt sich vor der Schuldenkrise", sagt Schickentanz. Die Länder seien solide aufgestellt. Von Schweizer Franken oder Yen sollten Anleger aber die Finger lassen. "Die Kurse sind deutlich überzogen." Stratege Kahler warnt aber: "Fremdwährungen sind immer politischen Bestimmungen unterworfen."

(RP)