Inflationsschutz? Warum Gold in der Krise wenig bringt

Düsseldorf · Steigende Zinsen lassen den Kurs trotz Kriegs, Energiekrise und Angst vor einer globalen Rezession sinken. Was man als Anleger kaufen kann, wenn man dennoch in das Edelmetall investieren will.

Warum Gold als Inflationsschutz derzeit  bringt​
Foto: dpa/Marcel Mettelsiefen

Etwa drei von acht Deutschen glauben laut einer Umfrage im Auftrag von J.P. Morgan Asset Management, dass Gold als Investment nach Aktien und Fondsanteilen am besten geeignet ist, die überbordende Inflation und den realen Vermögensverlust auszugleichen. Das stammt aus vergangenen Zeiten – genauer: aus jenen der Hyperinflation zwischen den beiden Weltkriegen und der 70er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und dieser Glaube birgt in Zeiten von Ukraine-Krieg, Energiekrise und Angst vor der globalen Rezession sogar eine gewisse Logik.

Aber das Argument funktioniert längst nicht mehr wie früher. Wer beispielsweise auf die vergangenen sechs Monate schaut, muss feststellen, dass das Edelmetall in diesem Zeitraum etwa 20 Prozent an Wert verloren hat. Am Donnerstag ist der Kurs unter die Marke von 1700 US-Dollar gefallen, so tief wie zuletzt im April 2020, als die Pandemie in Europa richtig losging.

Und auch wenn er sich am Freitag wieder leicht erholt hat – Schutz vor Geldentwertung durch Gold sieht anders aus; erst recht für jene, die zum falschen Zeitpunkt eingestiegen sind und womöglich noch deutlich höhere Verluste beklagen. Sie müssen nächste Woche mit einer weiteren Zinserhöhung um einen dreiviertel oder einen ganzen Prozentpunkt in den Vereinigten Staaten rechnen. Das könnte den Kurs nachhaltig unter 1700 Dollar drücken. Die Experten der Investmentbank RBC halten sogar einen Sturz auf 1500 Dollar für möglich.

Was die Geschichte vom Gold als sicherem Hafen letztlich als Mär entlarvt – sieht man mal davon ab, dass Gold, anders als Papiergeld, durch Notenbanken nicht beliebig vermehrbar ist – sind eben diese Zinssteigerungen. Die hat es mittlerweile in mehreren Schritten sowohl in den USA als auch in Europa gegeben. Und es werden weitere folgen – sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks. Dass die Notenbanken wegen der Abschwunggefahren in absehbarer Zeit umschwenken, gilt als wenig wahrscheinlich. Und solange die Zinsen steigen, werden entsprechende Anlagen in Zinspapieren wieder attraktiver, der Reiz des Goldes schwindet für Investoren. Erst recht, wenn die Amerikaner die Zinsen erhöhen. Denn das steigert den Wert des Dollar und macht den Goldkauf für Anleger aus anderen Währungsräumen dann logischerweise teurer.

Wer sein Geld – oder besser einen Teil davon – ungeachtet dieser Perspektiven in Gold investieren möchte, kann dies unter anderem tun, indem er Barren oder Münzen kauft – bei Banken, Sparkassen oder Edelmetallhändlern wie Degussa und Goldbörse. Diese Anlageformen nennt man physisches Gold. Ihr Vorteil: Man muss bei einem Verkauf auf einen möglichen Ertrag durch zwischenzeitliche Kurssteigerungen keine Abgeltungssteuer zahlen, wenn man Barren oder Münzen mindestens ein Jahr gehalten hat. Deshalb sind vor allem Goldmünzen sehr beliebt. Zu den bekanntesten zählen der Maple Leaf, eine kanadische Münze, und der Krügerrand.

Der Nachteil des physischen Goldes: Man kann es logischerweise immer nur als Ganzes verkaufen. Bis dahin muss man das Gold immer irgendwo aufbewahren – in der Regel in einem Schließfach, für dessen Nutzung man auch zahlen muss. 

Eine Alternative dazu sind Aktien, also Anteilsscheine beispielsweise von Minenbetreibern oder Gesellschaften, die das Gold weiterverarbeiten. Zudem kann man auch Gold-ETFs kaufen – also Fonds, die den Vorteil haben, dass sie auch keinen physischen Platz zur Aufbewahrung brauchen. Verkauft man die ETFs, fällt aber Abgeltungsteuer an – soweit der Freibetrag des Investors von 801 Euro (bei Paaren 1602 Euro) überschritten wird.

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