Warenhauskette Real drohen schmerzhafte Einschnitte

Handelskonzern : Real drohen schmerzhafte Einschnitte

Die Metro treibt den Verkauf der SB-Warenhaus-Tochter voran und verhandelt nun zwölf Wochen lang exklusiv mit dem Konsoirtium rund um Redos. Arbeitnehmervertreter fordern eine langfristige Perspektive fürs Unternehmen.

Sollte im Metro-Management die Hoffnung bestanden haben, die angekündigten exklusiven Verkaufsgespräche für die angeschlagenen SB-Warenhauskette Real würden der Aktie auf die Sprünge helfen, wurde diese am Donnerstag schwer enttäuscht. Die Papiere der Düsseldorfer rauschten zum Börsenstart in den Keller. Zeitweise büßten die Papiere 8,9 Prozent zum Vortag ein.

„Dass die Aktie am Donnerstag derart stark nachgegeben hat, ist nicht weiter verwunderlich“, sagt Jella Benner-Heinacher, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), unserer Redaktion. „Die nun angekündigten Mittelzuflüsse von 500 Millionen Euro liegen deutlich unter dem, was der Markt erwartet hat.“

Am Abend zuvor hatte die Metro die Gespräche mit dem Konsortium rund um das Hamburger Immobilienunternehmen öffentlich gemacht. Der Wert von Real wurde dabei auf etwa eine Milliarde Euro taxiert. Dafür muss die Metro zunächst 385 Millionen auf ihre Tochter abschreiben. Bei Zustandekommen des Verkaufs soll der Metro eine halbe Milliarde zufließen.

Trotzdem hält DSW-Vertreterin Benner-Heinacher die Pläne von Metro-Chef Olaf Koch für richtig: „Unabhängig von der am Ende erzielten Summe muss man festhalten, dass es sich für die Metro um einen Befreiungsschlag handelt. Schließlich ist Real ein Verlustgeschäft, bei dem das Management seit zehn Jahren vergeblich versucht, die Trendwende herbeizuführen.“

Koch will in den kommenden zwölf Wochen ausschließlich mit dem Redos-Konsortium verhandeln. Er hatte  die exklusiven Verkaufsgespräche mit dem Konsortium auch mit der „fortgeschrittenen Konsolidierung im deutschen Lebensmitteleinzelhandel“ begründet. Sprich: Durch den Verkauf an die Immobilienunternehmen dürfte es den Wettbewerbshütern schwerer fallen, den Deal zu verbieten. Für die Real-Beschäftigten bleibt die Zukunft jedoch ungewiss. „Aus Sicht von Real handelt es sich nur um einen Zwischenschritt, immerhin wird sich Redos auf die lukrativen Immobilien konzentrieren und das restliche Geschäft an Handelsunternehmen verkaufen“, sagte Aktionärsvertreterin Benner-Heinacher.

Entsprechend hemdsärmelig trat Metro- und Real-Betriebsratschef Werner Klockhaus auf. „Ein Investor, der Real erhalten will und dazu ein Konzept sowie eine Strategie hat, dem werden wir als Arbeitnehmervertreter helfen“, sagte er. „Ein Investor, der schnell Profit mit uns machen will und die Arbeitsplätze gefährdet, der wird keine Freude an uns haben“, fügte er hinzu. „Man sollte die Beschäftigten im Einzelhandel nicht unterschätzen.“ Der Verdi-Bundesvorstand  duckte sich weg und erklärte mit Blick auf das laufende Verkaufsverfahren, man werde sich nicht zu Real äußern.

Metro-Chef Koch machte klar: „Es wäre auch unter weiterer Eigentümerschaft der Metro so gewesen, dass es signifikante Anpassungen im Geschäftsmodell, im Onlinegeschäft und auch im Filialnetz gegeben hätte.“ Er versicherte jedoch, sollte es zur Abgabe von Standorten kommen, „wird damit sehr verantwortungsvoll umgegangen, und wir werden sicherstellen, dass die Dinge ordnungsgemäß und im Sinne der Arbeitnehmer passieren.“ Aktionärsschützerin Benner-Heinacher hält die Konzentration auf das Cash-and-Carry-Geschäft  bei der Metro für einen sinnvollen Schritt. „Die Real-Verkaufserlöse muss die Metro dann aber dringend dazu nutzen, die Baustellen bei Cash and Carry anzugehen. Zukäufe zu diesem Zeitpunkt halten wir dagegen für wenig sinnvoll.“ (mit rtr)

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