VW-Vorstand vertagt Beschluss zu Werk in der Türkei

Wegen Offensive in Syrien : VW-Vorstand vertagt Beschluss zu Werk in der Türkei

Volkswagen zeigt sich wegen der türkischen Offensive in Syrien beunruhigt: Man beobachte die Lage sorgfältig und blicke mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung. Deswegen habe der Autobauer die Entscheidung über den Bau einer Autofabrik in der Türkei verschoben.

"Die endgültige Entscheidung für das neue Werk wurde vom Vorstand der Volkswagen AG vertagt", erklärte ein Unternehmenssprecher am Dienstag und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Der Autobauer beobachte die Lage sorgfältig und blicke mit Sorge auf die aktuelle Entwicklung. VW-Produktionsvorstand Andreas Trostmann hatte eine finale Entscheidung nach monatelangen Verhandlungen eigentlich für Anfang Oktober in Aussicht gestellt.

Die Türkei hatte in der vergangenen Woche im syrischen Grenzgebiet eine Militäroffensive gegen die Kurdenmiliz YPG gestartet. Am Montag zeigte sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan trotz internationaler Kritik entschlossen, den Einsatz fortzusetzen, bis "der endgültige Sieg errungen" sei. US-Präsident Donald Trump kündigte unterdessen Sanktionen gegen die Türkei, den Abbruch von Handelsgesprächen und die Anhebung von Zöllen auf türkischen Stahl an.

Konzernchef Herbert Diess hatte Insidern zufolge direkt mit Erdogan über das neue Werk gesprochen. Ende August hatte der VW-Aufsichtsrat bereits eine Grundsatzentscheidung für die Mehrmarken-Fabrik getroffen. Laut Insidern soll für rund eine Milliarde Euro in Manisa nahe Izmir im Westen Anatoliens ein Werk mit einer geplanten Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen und rund 4000 Beschäftigten entstehen.

Ende 2020 sollte mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart wäre für 2022 vorgesehen. Vom Band laufen sollen dort der VW Passat und der baugleiche Skoda Superb mit Verbrennungsmotoren. Die bisherigen Fertigungsstandorte dieser Modelle Emden und Kvasiny sollen neue Modelle produzieren - Emden wird auf E-Autos umgestellt, das tschechische Skoda-Werk soll künftig SUVs bauen.

Für den Standort Türkei sprechen die niedrigeren Lohnkosten und die im Vergleich zu anderen südosteuropäischen Ländern qualifizierten Arbeitskräfte. Doch wegen der Verletzung von Grundrechten in der Türkei war die Entscheidung schon länger politisch umstritten, wenngleich die Bundesregierung oder das an VW beteiligte Land Niedersachsen keine Bedenken geäußert haben sollen.

VW erklärte vor einigen Wochen, sich der politischen Lage bewusst zu sein. Doch die Türkei sei weiterhin Beitrittskandidat zur Europäischen Union und eine entwickelte Marktwirtschaft. Der Autobauer wolle in dem Werk die Mitbestimmung der Arbeitnehmer und die Achtung von Menschenrechten sicherstellen. Die Türkei lockte VW nach Informationen von Konzernkennern auch mit staatlichen Fördermitteln. Über deren Höhe schweigt VW.

(vek/Reuters)
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