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Chattanooga: VW-Mitarbeiter in USA lehnen Gewerkschaft ab

Chattanooga : VW-Mitarbeiter in USA lehnen Gewerkschaft ab

Die VW-Beschäftigten in Tennessee haben in einer brisanten Abstimmung die Auto-Gewerkschaft UAW aus dem einzigen US-Werk des Autobauer verbannt. Die Arbeiter in Chattanooga votierten mit 712 zu 626 Stimmen gegen das Vorhaben der United Auto Workers (UAW), die Belegschaft in einem Betriebsrat nach deutschem Vorbild zu vertreten. Die Abstimmung galt als Nagelprobe für die Zukunft der Gewerkschaft.

Der VW-Konzernbetriebsrat hält dennoch an seinem Vorhaben fest, Chattanooga eine Stimme im Weltbetriebsrat des Wolfsburger Autobauers zu geben. "An unserem Ziel der Einrichtung eines Betriebsrats in Chattanooga verändert der Wahlausgang nichts", sagte Generalsekretär Gunnar Kilian. Aus den Gesprächen mit Kollegen in Chattanooga wisse man, dass das Interesse an der Einrichtung einer betrieblichen Arbeitnehmervertretung bei den Beschäftigten groß sei. In den nächsten zwei Wochen will der VW-Konzernbetriebsrat Beratungen mit US-Arbeitsrechtsexperten aufnehmen, um das weitere Vorgehen festzulegen. Viele Arbeitsmarktexperten bezweifeln, dass ein Betriebsrat ohne Gewerkschaftsbeteiligung in den USA überhaupt möglich ist.

Für die UAW ist das Abstimmungsergebnis in Chattanooga, wo bisher nur der Passat gebaut wird, ein herber Rückschlag. Das Votum galt als einzigartige Chance für die Gewerkschaft, ihren Einfluss im traditionell gewerkschaftsfeindlichen Süden der USA auszubauen, wo viele internationale Autokonzerne ihre Werke betreiben. "Wir fühlen uns von Volkswagen bereits jetzt sehr gut behandelt, was die Bezahlung und Zulagen angeht", erklärte etwa Sean Moss, der gegen die UAW stimmte. "Wir haben uns auch die Geschichte der UAW angesehen - warum sollten wir ein Ticket für die Titanic buchen?" Seit 1979 ist die Zahl der Mitglieder landesweit um 75 Prozent auf knapp 400 000 eingebrochen. Das Vorhaben in Tennessee war auf Widerstand vor allem der Republikaner gestoßen, die das Wachstum in dem Staat in Gefahr sahen. Der republikanische Senator Bob Corker hatte gesagt, VW werde ein neues Modell in dem Werk bauen lassen, wenn die Beschäftigten gegen einen UAW-Betriebsrat stimmten.

(rtr)