1. Wirtschaft

VRR, VRS und andere Verkehrsverbünde dünnen in NRW den Verkehr massiv aus.

Immer weniger Züge : Fast alle S-Bahnen in NRW nur noch im Stundentakt

Das Land NRW dünnt die Fahrpläne deutlich aus, weil Bahn-Mitarbeiter fehlen. Aber eine Grundversorgung bleibt, damit Krankenschwestern oder Verkäufer zum Job kommen. Verkehrsminister Wüst warnt vor Urlaubsreisen.:“Denen ist nicht zu helfen.“ Er will alle Geschäfte auch Sonntags beliefern lassen.

Um rund die Hälfte reduzieren die Bahnunternehmen in NRW ihr Angebot wegen der Corona-Krise. Einen Sonderfahrplan haben die Verkehrsunternehmen und Verkehrsverbünde wie der VRR und der VRS mit der Landesregierung an den vergangenen Tagen ausgearbeitet. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) hat das am Freitag vorgestellt.

Strategie Der Fahrplan werde schrittweise ab Samstag ausgedünnt, um für den Fall weiterer Ausfälle von Mitarbeitern bei Bahnunternehmen besser gewappnet zu sein, sagte Wüst. Hauptziel des Weiter-Betriebes von S-Bahnen und Regionalzügen sei, dass Beschäftigte in  kritischen Berufen wie Krankenpfleger, Ärztinnen, Polizisten, Verkäufer und Verkäuferinnen im Lebensmitteleinzelhandel weiterhin zur Arbeit kämen. Wüst: „Mit dem Sonderfahrplan stellen wir eine stabile Grundversorgung sicher. Menschen, die auf die Bahn angewiesen sind, bleiben mobil trotz verringerten Angebots.“

Infektionsschutz Wüst appellierte an die Bürger, möglichst auf Bahnfahrten zu verzichten. „Bitte machen Sie keine unnötigen Fahrten. Jeder, der nicht unbedingt fahren muss, sollte darauf verzichten.“ Er rief dazu auf, in den Zügen weit voneinander zu sitzen, und glaubt nicht, dass die Wagen überfüllt sein werden wegen der niedrigeren Takte: „Wir haben deutlich weniger Fahrgäste. Wir gehen von weiter sinkenden Zahlen aus.“ Eine Reihe an Zügen werde verlängert fahren, um mehr Passagiere aufzunehmen. Züge sollen häufiger gereinigt werden. Die Türen sollen an jeder Haltestelle möglichst alle automatisch aufgehen, damit die Reisenden die Knöpfe zum Türöffnen nicht mehr berühren müssen; dadurch könnte das Virus übertragen werden.

S-Bahnen Ab Samstag gehen im Stundentakt die S1 (Dortmund-Solingen), S4, S5, S6 (Köln-Düsseldorf-Essen), S8 (Hagen-Mönchengladbach), S11 (Flughafen-Düsseldorf-Bergisch-Gladbach), S12 (Horrem-Au), S19 (Düren-Au), S23 (Bonn-Euskirchen). Ab Montag fahren nur noch alle 60 Minuten die S2 (Dortmund-Essen), S3, S7 (Wuppertal-Solingen), S9.Keine Einschränkungen hat die S28 (Mettmann-Kaarster See) Gestrichen wird die S68 (Wuppertal nach Langenfeld), Ersatz sollen hier S6 und S8 (mit Umsteigen) bringen. Gestrichen wird auch die S13 von Aachen nach Troisdorf.

Regionalbahnen und Regionalexpress Damit möglichst viele Haltepunkte regelmäßig angefahren werden, haben Regionalbahnen mit mehr Haltestellen Vorrang in dem neuen Plan bekommen gegenüber Express-Bahnen. Zusatzzüge zu Hauptverkehrszeiten entfallen in der Regel, sehr viele Züge gehen auf 60-Minuten-Takt. Regionalbahnen werden manchmal auf Busverkehr umgestellt, auch weil es viele freie Buskapazitäten gibt, da Schulbusse praktisch nicht mehr fahren.

Informationen Auf dem Portal www.mobil.nrw sollen alle notwendigen Informationen stehen. Es könnte einige Tage dauern, bis alle neuen Fahrpläne zuverlässig auf anderen Wegen aufrufbar sind. Es gibt auch die App „mobil.nrw.“ Wüst sagte, es könne einige Zeit dauern, bis alle neuen Fahrpläne detailliert überall aufrufbar seien.

Bewertung Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro-Bahn sagt: „Es ist gut,dass die Versorgung sichergestellt wird. Die Kunden müssen sich genau informieren, wie ihre Züge fahren. Der 60-Minuten-Takt wird für viele Leute schon schwierig. Das Entscheidende daran ist, dass der Plan dann auch eingehalten wird.“

Scharfe Warnungen/bessere Lieferungen Wüst warnte davor, in den Urlaub zu fliegen. „Ich höre, dass Leute jetzt noch in die Ferien fahren wollen, nachdem der Bund die große Rückholaktion gestartet hat. Das ist unverantwortlich. Wer sich jetzt noch ohne Sinn und Verstand gefährdet, dem ist nicht zu helfen.“ Autofahrer forderte er auf, vorsichtig zu fahren: „Halten Sie überall Abstand, auch auf der Straße! Das Letzte, was wir brauchen können, sind Menschen, die einen Unfall erleiden, weil wir in den Krankenhäusern alle Kapazitäten brauchen.“ Er habe das Sonntagsfahrverbot für alle Lieferwagen aufgehoben, damit Geschäfte besser beliefert werden könnten.