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Düsseldorf: Vor Chemie-Großkundgebung in Köln wird der Ton rauer

Düsseldorf : Vor Chemie-Großkundgebung in Köln wird der Ton rauer

3000 Demonstranten erwartet die IG BCE heute. Am Donnerstag entscheidet sich, ob die Verhandlungen scheitern.

Es soll eine Machtdemonstration für die Arbeitgeber sein: Die IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) hat für heute zu einer Kundgebung in Köln aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaft werden bis zu 7000 Teilnehmer erwartet. Dass die IG BCE derart stark mobilisiert - in den vergangenen Tagen gingen 60 000 Menschen auf die Straßen -, liegt an der verfahrenen Situation: "Wir stehen kurz vor der Auseinandersetzung", sagt NRW-Landesbezirksleiter Frank Löllgen. Die Gewerkschaft verlangt 4,8 Prozent mehr Lohn und eine Fortentwicklung des Demografie-Tarifvertrags. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 1,6 Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten geboten. "Eine Provokation", sagt IG-BCE-Verhandlungsführer Peter Hausmann. Die Arbeitgeber würden damit mutwillig ein Scheitern der Gespräche provozieren. Die 1,6 Prozent seien ein Angriff auf die Leistung der Arbeitnehmer und müssten vom Tisch. Sollte es bei den für kommende Woche angesetzten letzten Gesprächen in Stuttgart kein Ergebnis geben, bedeute dies zunächst eine Schlichtung und - nach deren Scheitern - womöglich den ersten Streik in der chemischen Industrie seit 1971.

Der Verhandlungsführer des Arbeitgeberverbands BAVC, Hans-Carsten Hansen, sagte, das Anliegen der Arbeitgeber sei es, in freien Verhandlungen zum Ziel - also einem sachgerechten Abschluss - zu kommen. "Eine Schlichtung kann nur Ultima Ratio sein und würde ein Scheitern bedeuten", so Hansen. Beide Seiten müssten sich nun bewegen. Hansen zeigte sich angesichts des rauen Tons vonseiten der IG BCE demonstrativ gelassen: "Eine gute Sozialpartnerschaft zeichnet sich durch Ehrlichkeit aus und auch schon mal durch robuste Offenheit."

IG-BCE-Landeschef Löllgen sieht die Chancen für eine Einigung in Stuttgart bei 50:50: "Wir bemerken, dass die Arbeitgeber schon deutlich nervöser werden. Neben der Demonstration in Köln dürften dazu auch zahlreiche außerordentliche Betriebsversammlungen beigetragen haben, die dann auch zu Produktionsbeeinträchtigungen geführt haben." Sollte es zum Scheitern kommen, befürchtet Löllgen, dass es lange dauern werde, die entstandenen Gräben wieder zuzuschütten.

(RP)