Düsseldorf: Vor Aktien muss man keine Angst haben

Düsseldorf: Vor Aktien muss man keine Angst haben

Nicht einmal jeder sechste Deutsche hat bisher an der Börse investiert. Dabei zeigen langfristige Statistiken, dass es keine bessere Anlage gibt.

Wenn es ums Geldanlegen geht, machen viele Deutsche immer noch einen großen Bogen um die Aktie. Zu riskant, urteilen sie und vertun damit die Chance, profitabel zu investieren. Gerade mal jeder sechste Bundesbürger hatte nach Berechnungen des Deutschen Aktien-Instituts (DAI) 2016 Aktien oder Fondsanteile in seinem Portfolio. Hinter den Amerikanern, Briten und Skandinaviern hinken wir weit hinterher.

"Es gibt eine prinzipielle Aversion in der Bevölkerung gegen Spekulationsgeschäfte", sagt der Börsenpsychologe Joachim Goldberg. Der Deutsche neigt halt nicht zum Zocken. Dabei hat ernsthaftes Investieren in Aktien nichts mit Zocken zu tun. Ein plastisches Beispiel: Wer zu Beginn 2017 in Dax-Aktien investiert und die am Jahresende verkauft hätte, der hätte nach immerhin zwölf Monaten einen Bruttogewinn von 14 Prozent eingestrichen. Zieht man die Kapitalertragsteuer ab, bleibt immer noch eine zweistellige Rendite. Davon ist man bei festverzinslichen Geldanlagen in Zeiten von Null- oder gar Negativzinsen weit entfernt. Das DAI hat errechnet, dass für einen Anlagezeitraum von 20 Jahren die jährlichen Renditen in der Vergangenheit allein im Dax im Schnitt bei rund neun Prozent gelegen haben. Verluste über den gesamten Zeitraum waren Fehlanzeige. Selbst die schlechteste Zwei-Jahrzehnte-Periode endete noch mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von sechs Prozent.

Natürlich sind Gewinne an der Börse nicht garantiert. Und weil viele Anleger eben nicht auf die langfristige Entwicklung der Aktienkurse schauen, sondern auf die Kursausschläge, bleiben die Negativtrends länger in Erinnerung. Die Folgen: Im vergangenen Jahr haben einer Umfrage der Schweizer Bank Credit Suisse zufolge zwar 42 Prozent der Befragten über einen Aktienkauf nachgedacht, aber die idee tatsächlich umgesetzt hat davon nur jeder Vierte.

Trotz teils großer Gewinnchancen scheuen die Deutschen also weiterhin vor der Aktie zurück. Und wenn sie kaufen, dann oft nicht rechtzeitig, wie Goldberg meint: "In Deutschland warten die Anleger immer sehr lange auf die Bestätigung dafür, dass der Trend stimmt." Was natürlich dazu führt, dass manche den günstigsten Einstiegszeitpunkt verpassen. Noch größer als die Furcht, zu spät zu kommen, ist jedoch die Angst, dass es nach einem teuren Kauf runtergeht", sagt Goldberg.

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Wer Aktien kaufen will, sollte nach Einschätzung des Börsenpsychologen ein paar Grundregeln beachten. Potenziellen Investoren muss klar sein, dass die Grundidee der Börse die von Unternehmensfinanzierung ist. Firmen besorgen sich Kapital und stellen dafür Anteilsbesitz an Unternehmen zur Verfügung. Das macht sie unabhängiger von Bankenkrediten. Der Anteilseigner bekommt nicht nur seinen Anteil, der im Wert steigen kann, sondern auch eine Erfolgsbeteiligung in Form der Dividende. Die althergebrachte Idee ist bei vielen, die an der Börse investieren, allerdings in Vergessenheit geraten. Zudem sollte man sein Vermögen möglichst breit streuen und auch darauf achten, dass die Kosten beispielsweise beim Kauf von Fondsanteilen nicht so hoch sind, so Goldberg.

Niemand sollte Geld in Aktien investieren, dass er innerhalb kurzer Zeit wieder braucht. Und man sollte mit seinem Berater sein eigenes Risikoprofil checken. Denn es macht einen Unterschied, ob man beispielsweise in sogenannte Blue Chips investiert oder in weniger gängige Papiere, bei denen schon kleinere Transaktionen für stärkere Kursausschläge sorgen.

Die ideale Aktienquote gibt es zwar nicht, aber manche Experten nennen eine Richtschnur: "100 minus Lebensalter." Folgt man dieser Devise, kommt man zu der Erkenntnis, dass man im Rentenalter nicht mehr als 30 bis 40 Prozent Aktienanteil in seinem Vermögen haben sollte. Darüber oder darunter sollte man zyklisch oder antizyklisch verkaufen, heißt es. Wobei die Frage des Aktienanteils natürlich auch immer von der Risikofreude oder Risikoscheu des Anlegers abhängt.

Was die häufig fehlende Geduld der Anleger angeht - Verluste muss man aussitzen können. Das heißt: Man darf nicht gleich in Panik verfallen, wenn der Aktienkurs sich über Tage oder gar Wochen nach unten bewegt. Langjährige Entwicklungen zeigen immer nach oben. Man muss sich nur das Warten leisten können.

(RP)