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Vonovia kündigt neues Kaufangebot an

Bochum/Düsseldorf : Vonovia kündigt neues Kaufangebot an

Diesmal wollen die Bochumer 53 Euro je Aktie des Konkurrenten Deutsche Wohnen zahlen. Und einen Gewinnabführungsvertrag zwischen den Unternehmen soll es in den kommenden Jahren nicht geben.

Nicht einmal zwei Wochen nach dem Scheitern des Versuchs, sich die Mehrheit an der Deutsche Wohnen zu sichern, hat der Bochumer Wohnungskonzern Vonovia ein neues Übernahmeangebot an die Aktionäre des Wettbewerbers angekündigt. Vonovia wolle dies zeitnah tun, erklärte das Unternehmen am Montag – verbunden mit dem Hinweis darauf, dass die Deutsche Wohnen diesen Schritt unterstütze. Deren Chef Michael Zahn bekräftigte, dass viele Aktionäre den Deal wollten, und erklärte: „Wir möchten ihnen die Chance nicht vorenthalten, dem Zusammenschluss zu verbesserten Konditionen zuzustimmen.“

Letzteres ist wohl der entscheidende Grund dafür, dass Vonovia schon jetzt wieder um die Anteile der Deutsche-Wohnen-Aktionäre werben darf. Wären die Gremien der Berliner dagegen, hätte der potenzielle Käufer zwölf Monate warten müssen, ehe er ein neues Angebot hätte vorlegen dürfen. So aber muss er bei der Finanzaufsichtsbehörde Bafin lediglich die Befreiung von der Sperrfrist beantragen.

Entscheidend aus Vonovia-Sicht könnte die Ankündigung sein, dass man mit der Deutsche Wohnen für einen Zeitraum von drei Jahren keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließen wolle. Damit haben die Bochumer vor allem den Hedgefonds den Wind aus den Segeln genommen, denn die hatten auf genau so einen Gewinnabführungsvertrag gesetzt. Würde der nämlich geschlossen, hätten Minderheitsaktionäre der Deutsche Wohnen laut Aktienrecht Anspruch auf eine Ausgleichszahlung, weil sie leer ausgingen, wenn der Gewinn der Deutsche Wohnen an die Vonovia abgeführt würde. Deshalb, so das Kalkül, könnte Vonovia bereit sein, später einen höheren Preis zu zahlen an jene, die bis zum Ende der Angebotsfrist nicht verkauft haben.

Vonovia hat angekündigt, 53 Euro für jede Deutsche-Wohnen-Aktie zu bieten. Also einen Euro mehr, als das Unternehmen den Deutsche-Wohnen-Aktionären zuletzt in Aussicht gestellt hatte. Das entspricht einem Kaufpreis von etwa 19 Milliarden Euro. Die Mindestannahmeschwelle beträgt weiterhin 50 Prozent, auch ansonsten bleiben die Eckdaten für den geplanten Zusammenschluss unverändert. Dazu gehören auch die Vereinbarungen, die beide Unternehmen im Zukunfts- und Sozialpakt Wohnen der Berliner Politik angeboten haben: Zugeständnisse bei den Mieterhöhungen in den kommenden Jahren, ein Verkauf von bis zu 20.000 Wohnungen an das Land, die Bereitschaft zu nennenswertem Neubau in der Hauptstadt.

Diesmal allerdings ist Vonovia schon zu Beginn seiner Bemühungen näher am Ziel, weil dem Unternehmen nach den Zukäufen der beiden vergangenen Wochen bereits knapp 30 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile gehören. Mit dem Scheitern der Offerte im Juli war eine Option auf weitere drei Prozent der Aktien verbunden. Danach hat sich Vonovia noch einmal fast 7,7 Prozent der Stimmrechte gesichert. Der Bieter ist dabei aber aus gutem Grund tunlichst unter der 30-Prozent-Grenze geblieben, die ihn zu einer neuen öffentlichen Übernahmeofferte gezwungen hätte.

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Die Aktien der Deutsche Wohnen haben am Montag auf die Ankündigung aus Blochum so gut wie gar nicht reagiert. Das überrascht auch nicht sonderlich, wenn man bedenkt, wie offensiv Vonovia diese Möglichkeit an den vergangenen Tagen angedeutet hatte. Die Deutsche-Wohnen-Aktie legte gerade einmal 0,5 Prozent zu. Dagegen gewannen Vonova-Papiere an der Börse mehr als zwei Prozent an Wert.